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Klimawandel bedroht Heilpflanzen

Autor: Michael Brendler

Neben dem Klimawandel zerstören auch Landwirtschaft, Besiedlung und die übertriebene Ausbeutung den Lebensraum des Ginsengs und vieler anderer Heilpflanzen. Neben dem Klimawandel zerstören auch Landwirtschaft, Besiedlung und die übertriebene Ausbeutung den Lebensraum des Ginsengs und vieler anderer Heilpflanzen. © iStock/beemore
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Während man Heilpflanzen hierzulande meist als Add-On einer Behandlung sieht, sind andere Länder und Kulturen essenziell auf Ginseng und Gelbwurzel angewiesen. Die steigenden Temperaturen jedoch gefährden die Pflanzen bereits jetzt sehr stark.

Beim Weihrauch ist der Ernstfall schon eingetreten. Trockenheit, landwirtschaftliche Expansion und neue Schädlinge haben den Boswellia-Pflanzen derart zugesetzt, dass der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. In 50 Jahren sollen in Äthiopien laut einer Studie 90 % der Bestände verschwunden sein, schreiben die Botanikerin Dr. Wendy­ L. Applequist­ vom Missouri Botanical Garden in St. Louis und Kollegen. Und das ist nur ein Beispiel. Zahlreiche als Heilmittel eingesetzte Pflanzen würden durch die steigenden globalen Temperaturen bedroht. Wetterextreme wie Brände, heftige Regenfälle und Dürreperioden setzten ihnen derart zu, dass sie mehr und mehr vom Planeten zu verschwinden drohen. Das ist vor allem in jenen Ländern ein Problem, die stark auf die Arzneipflanzen angewiesen sind. In den meisten Entwicklungsländern bilden sie für 70–95 % der Menschen die Hauptmedikamente. Auch in Industrienationen nimmt ihre Verwendung zu. So werden weltweit pflanzliche Inhaltsstoffe im Wert von rund 33 Milliarden US-Dollar exportiert –jedes Jahr.

Zunehmende Temperaturen beeinflussen auch die Wirkstoffkonzentration

Doch nicht allein der Klimawandel bedroht die Heilpflanzen. Hinzu kommen andere, unmittelbar menschgemachte Faktoren. Durch Landwirtschaft, Besiedlung und die übertriebene Ausbeutung von Ressourcen zerstören die Menschen den Lebensraum vieler Arten. Besonders gravierend wirkt sich die Kombination von beidem aus: Aufgrund der Folgen der Erderwärmung wird zum Beispiel dem Amerikanischen Ginseng bis 2090 ein Rückgang um 6 % prophezeit. Rechnet man die Überernte der Bestände hinzu, lautet die Prognose minus 65 %. Teilweise verändern sich unter dem Einfluss der zunehmenden Temperaturen und neuen Lebensräume zudem die Wirkstoffkonzentrationen in den Kräutern, was wiederum die Qualität der Arzneimittel beeinflusst. „All das wird das menschliche Leiden vermutlich erhöhen und mehr Todesopfer fordern – wenn wir nicht schnell etwas dagegen unternehmen“, fordern Dr. Applequist und ihre Kollegen. Neben dem Kampf gegen den Klimawandel appellieren sie, die bedrohten Arzneipflanzen vermehrt zu züchten und auf lokaler Ebene Fortbildungen über nachhaltige Ernte anzubieten.

Quelle: Applequist WL et al. Planta Med 2019; DOI: 10.1055/a-1041-3406

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