Konsum von Crystal Meth breitet sich immer weiter aus

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Droge macht wach, selbstbewusst und mindert das Hungergefühl. © iStock/SKapl

Man nennt es Meth, Crystal oder einfach nur C und es sorgt zunehmend für Probleme. Inzwischen wurde dem Methamphetamin sogar eine Leitlinie mit über 200 Seiten gewidmet.

Eine Reihe von Gründen fördert den zunehmenden Methamphetamin-Konsum, erklären der Psychologe Sascha Milin und der Psychiater Professor Dr. Ingo Schäfer­ vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dazu zählen etwa die vielfältigen Methoden, mit denen sich die Droge einnehmen lässt: Man kann Crystal schnupfen, inhalieren, rauchen, injizieren oder schlucken. Und akut kommen die Wirkungen ja durchaus positiv rüber: Der Konsument empfindet sich als wacher, aufmerksamer und selbstbewusster. Indirekt, über das gesteigerte Selbstwertgefühl und unterdrückte soziale Ängste und Hemmungen, fördert Methamphetamin auch die Kontaktaufnahme und das sexuelle Erleben. Da die Droge das Durst- und Hungergefühl unter­drückt, wird sie auch für Personen mit dem Wunsch nach Gewichtsabnahme attraktiv.

Im Akutfall für eine ruhige Umgebung sorgen

Wenn der Konsument als Patient in der Notaufnahme landet, fallen dem Arzt oft auf den ersten Blick die stark erweiterten Pupillen auf. Hinzu kommen die weiteren Symptome eines überaktiven Sympathikus mit Tachyarrhythmien und teils massiver Hypertonie bis hin zu Krampfanfällen und Hirnblutungen. Falls ansprechbar, ist der Betroffene oft unkooperativ, mitunter auch agitiert-aggressiv. Eine substanzinduzierte Psychose ist keine Seltenheit.

Die genaue Diagnose ist in der Akutsituation dann schwierig, wenn der Kranke keine Auskunft geben kann oder will. Und dass oft zusätzlich zum Methamphetamin Alkohol, Cannabis, Sedativa und Opioide genommen wurden, macht die Klärung nicht einfacher. Möglicherweise hilft die Befragung von Freunden, die ihren Gefährten in die Ambulanz gebracht haben. Sichern lässt sich der Konsum über die toxikologische Untersuchung von Blut und Urin.

Im Akutfall empfiehlt sich eine ruhige Umgebung mit einer konstanten Bezugsperson. Eventuell ist so bald wie möglich die Verlegung in die Psychiatrie sinnvoll. Bei lebensbedrohlichen Symptomen muss der Patient auf die Intensivstation.

Das Gespräch richtig anfangen

In der S3-Leitlinie Methamphetamin-bezogene Störungen finden auch Niedergelassene Hinweise, bei welchen Symptomen ihrer – oft jungen und aktiven – Patienten sie hellhörig werden sollten. Die Technik der motivierenden Gesprächsführung eignet sich dazu, trotz eines eng getakteten Terminplans das Problem anzusprechen und weitere Hilfen anzubieten. Beim Erstkontakt ist eine empathische, nicht konfrontative und akzeptierende Haltung entscheidend.

Die Therapie gestaltet sich bei einer Methamphetamin-Abhängigkeit schwierig. Nach der Akutbehandlung steht an erster Stelle der stationäre qualifizierte Entzug, der mindestens drei Wochen dauern sollte. In dieser Zeit klären die Psychiater auch begleitende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder eine posttraumatische Belastungsstörung – die hier oft sogar das erste Mal auffallen.

Schon während dieses stationären Aufenthalts erfolgen die ersten spezifischen psychotherapeutischen Interventionen. Dazu gehört auch die Aufklärung über die Entzugssymptome, die der Kranke gerade erlebt. Am wichtigsten – und wegen der euphorisierenden Wirkung der Droge auch am schwierigsten – ist es, den Patienten zur weiteren Abstinenz zu motivieren.

Als Übergang nach der Therapie in eine Wohngruppe

Nach diesen drei Wochen ist gerade einmal ein Anfang gemacht – eine Entwöhnung muss folgen. Sie kann stationär, teilstationär oder ambulant stattfinden. Für die ambulante Entwöhnung braucht der Betroffene ein stabiles soziales Umfeld: Er muss wissen, wo er wohnen kann, was er tagsüber macht – ist ein fester Arbeitsplatz vorhanden? – und vor allem, wo er Unterstützung findet, wenn der Suchtdruck übermächtig wird. Andernfalls stellt die (teil-)stationäre Behandlung die bessere Alternative dar. Und als Übergang nach der Therapie bieten sich Wohngruppen an, in denen Sozialarbeiter und Pädagogen helfen, die Kompetenzen für ein selbstständiges Leben (neu) zu erlernen.

Betroffene müssen lernen, kein hoffnungsloser Fall zu sein

Ein möglicher Rückfall wird aber auch über diese Zeit hinaus ein Thema bleiben. Der Kranke muss lernen, dass er nach einem neuerlichen Konsum nicht resignieren und sich nicht als hoffnungslosen Fall betrachten darf. Selbsthilfegruppen, am besten solche mit anderen Methamphetamin-Erfahrenen, können ihn dabei unterstützen.

Quelle: Milin S, Schäfer I. Fortschr Neurol Psychiatr 2019; 87: 385-398; DOI: 10.1055/s-0044-100786