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Chirurgie Mehr Frauen ans Messer

Autor: Elisa Sophia Breuer

Bislang ist der Frauenanteil in der Chirurgie mit rund 22 % recht gering. Bislang ist der Frauenanteil in der Chirurgie mit rund 22 % recht gering. © iStock/gpointstudio
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Patientinnen, die von einem Chirurgen behandelt werden, entwickeln häufiger postoperative Komplikationen. Damit sieht die Lage aktuell düster aus. Denn nur rund ein Viertel der Kolleg:innen in der Chirurgie ist in Deutschland weiblich. Das soll sich endlich ändern.

Bislang scheint die Chirurgie für Ärztinnen wenig attraktiv zu sein. Nicht mal jede/r vierte der Chirurginnen und Chirurgen ist weiblich. „Dies liegt vermutlich u.a. an den fehlenden weiblichen Vorbildern“, bedauerte Prof. Dr. Natascha­ C. Nüssler, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Denn an weiblichem Nachwuchs mangelt es keinesfalls, etwa 70 % der Studierenden sind aktuell Frauen. 

Studentinnnen übernehmen den allgemeinen Zweifel 

„Frauen wird nicht zugetraut, dass sie diese Aufgaben genauso gut bewältigen können wie Männer“, kritisierte die Chefärztin der Münchener Klinik in Neuperlach. Dieser Zweifel würde sich dann auch bei den Studentinnen festsetzen. Dabei sind „Frauen genauso kompetent und bedürfen der Förderung“, so die Kollegin weiter. Ein Wandel sei schon an vielen Kliniken im Gange, ist die Erfahrung von Prof. Dr. Hauke­ Lang­, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. „Wir haben viel mehr Assistenzärztinnen als Assistenz­ärzte in Mainz. Die Qualifikation ist bei beiden Geschlechtern gleich und das ist das einzige Argument, was bei uns zählt.“ 

Weiterhin ist es wichtig, ein Bewusstsein für diesen Umstand zu schaffen – auch bei den Niedergelassenen. So überweisen einer US-amerikanischen Studie zufolge Ärzte häufiger an Chirurgen statt an Chirurginnen. „Vermutlich lässt sich das auf Deutschland übertragen“, bewertete Prof. Nüssler.

Ein Wandel komme nicht nur den Ärztinnen zugute, sondern auch den Patientinnen. Denn Frauen, die von einem männlichen Arzt operiert wurden, wiesen ein bis zu 15%ig erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen auf. Zu diesem Ergebnis kamen kürzlich kanadische Forschende um Prof. Dr. ­Christopher J. D. Wallis, University of Toronto­. Sie untersuchten mehr als 1,3 Millionen Erwachsene, die sich zwischen 2007 und 2019 einer geplanten oder dringlichen OP unterzogen. Andere Geschlechterkonstellationen wie Ärztin und Patient hatten keinen Einfluss.

„Ärzte interpretieren Befunde von Frauen anders“

„Das hat nichts mit den chirurgischen Fähigkeiten zu tun“, bekräftigte Prof. Nüssler. So kenne man das Phänomen bereits von anderen Fächern. Beispielsweise haben Frauen mit Herzinfarkt ein höheres Mortalitätsrisiko im Vergleich zu Männern, wenn sie von einem Arzt behandelt werden. „Ärzte neigen dazu, Befunde von Frauen und Männern unterschiedlich zu interpretieren,“ sagte die Münchener Ärztin. Und nannte direkt einen weiteren Grund: „Patientinnen öffnen sich oft einem männlichen Arzt gegenüber nicht ausreichend“. Als Lösungsansatz schlug die Expertin gemischtgeschlechtliche Teams vor. „Das schaffen wir aber nur, wenn wir mehr Frauen für die Chirurgie gewinnen können“.

1. Wallis CJD et al. JAMA Surg 2022; 157: 146-156; DOI: 10.1001/jamasurg.2021.6339

Quelle: Pressekonferenz – Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

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