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Malignes Melanom Metastasierung bis in den Fötus selten

Autor: Friederike Klein

Schwangere mit malignem Melanom sollten immer die histologische Untersuchung der Plazenta in Betracht ziehen. Schwangere mit malignem Melanom sollten immer die histologische Untersuchung der Plazenta in Betracht ziehen. © mikumistock – stock.adobe.com
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Ist die Plazenta von einer Schwangeren mit Melanom betroffen, geht dies mit einer schlechten Prognose für das Ungeborene einher. Zur Diagnostik gehört bei den betroffenen Frauen deshalb u.a. eine histologische Untersuchung der Plazenta. Was noch bei Mutter und Kind zu beachten ist.

Bei einer plazentalen Beteiligung des Melanoms einer Schwangeren wurde bislang das Risiko für eine Metastasierung auf das Kind mit 22 % als hoch eingeschätzt.1 Die Prognose ist dann schlecht: Fünf der sechs in einer Metaanalyse identifizierten Kinder mit solchen mütterlichen Melanommetastasen starben. 

Doch wie hoch ist das Risiko einer transplazentalen Metastasierung bei schwangeren Melanompatientinnen allgemein? Professor Dr. Maria­ Rita­ Gaiser, Dermatoonkologie­, Universitätsmedizin Mannheim, berichtete von einer 39-Jährigen mit einem Melanom im Stadium IV. Sie hatte

  • eine fulminante Tumorlast, 
  • einen Aszites in sämtlichen abdominellen Kompartimenten und 
  • plattenartige Peritonealkarzinome im gesamten Abdomen, auch im Bereich der peritonealen Umschlagfalte im Becken. 

Der Nachwuchs der Frau war neun Monate alt, die Tumorsituation zum Zeitpunkt der Geburt unklar und die Angst, das Kind könne betroffen sein, groß. 

Das gab den Startschuss  zu CLAUDIUS­, deren Ergebnisse Prof. Gaiser vorstellte. Für die retrospektive Studie meldeten 34 dermatologische Zentren in Deutschland die Daten von 63 Patientinnen. Die Frauen hatten zwölf Monate vor bzw. nach der Geburt eines Kindes die Diagnose eines malignen Melanoms im Stadium III/IV erhalten. Von den Teilnehmerinnen wiesen 36 Stadium IV auf. 

Die Frauen brachten 65 lebend geborene Kinder ohne Melanom auf die Welt. Zudem gab es drei Aborte und acht Abruptiones – zwei wegen einer Gestation unter Systemtherapie mit Angst vor Fruchtschädigung und sechs auf Wunsch der Mutter wegen ihres Zustands. 

„Pathologen explizit auf das Melanom hinweisen“

Bei etwa einem Drittel der Patientinnen war die Plazenta histologisch untersucht worden. In keinem Fall fanden sich Hinweise auf eine Melanommetastasierung, auch nicht im Abort- bzw. Abruptio-Material oder im Fall einer fulminanten Metastasenlast im kleinen Becken. Das Risiko für eine transplazentale Metastasierung eines fortgeschrittenen Melanoms scheint demnach äußerst gering, meinte Prof. ­Gaiser. 

Sie empfiehlt schwangeren Melanom-Patientinnen immer die histologische Untersuchung der Plazenta. „Dabei sollte der Pathologe explizit auf das mütterliche Melanom hingewiesen werden, damit Spezialfärbungen an der Plazenta durchgeführt werden können“, sagte sie. 

Weist die Mutter ein BRAF-mutiertes Melanom auf, kann in Einzelfällen das Nabelschnurblut mittels Liquid Biopsy analysiert werden. Beim Neugeborenen sollte ein kleines Staging mit Abdomensonographie und Röntgenthorax erwogen werden und ein Screening auf Hautveränderungen bis zum zweiten Lebensjahr erfolgen.

1. Alexander A et al. J Clin Oncol 2003; 21: 2179-2186; DOI: 10.1200/JCO.2003.12.149

Kongressbericht: Gaiser M. 31. Deutsche Hautkrebskongress; Sitzung 1

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