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Mit Insulinpumpe und CGM durchs Hochgebirge

Autor: Manuela Arand

Neben Insulinpumpen, Kohlenhydraten und Insulinpen gehören auch klare Instruktionen für Mitreisende ins Gepäck. Neben Insulinpumpen, Kohlenhydraten und Insulinpen gehören auch klare Instruktionen für Mitreisende ins Gepäck. © iStock/dzika_mrowka
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Bewegung oder auch Extremsport – mit Typ-1-Diabetes ist beides per se möglich. Voraussetzung sind gute Vorbereitung, geeignetes Equipment und ausreichende Kohlenhydratvorräte.

Körperliche Aktivität ist auch für Menschen mit Typ-1-Diabetes wichtig, denn auch sie haben – ebenso wie Patienten mit Typ-2-Diabetes – häufig mit Komponenten des metabolischen Syndroms wie Übergewicht, Hypertonie und Dyslipid­ämie zu kämpfen, betonte Professor Dr. Tomasz Klupa, Universität Krakow. Diese erhöhen das kardiovaskuläre Risiko und verkürzen die Lebenserwartung. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert das Risikoprofil erheblich und senkt das Sterberisiko.

Wie der Stoffwechsel darauf reagiert, hängt ab von der individuellen Fitness, von Art, Intensität und Dauer des Trainings, vom Blutzucker- und Insulinspiegel vor der Belastung und von der letzten Mahlzeit.

Grenze des CGM-Geräts für Hypo-Alarme anpassen

Aerobe Sportarten senken den Blutzucker stärker als anaerobe, die ihn sogar anheben können.1 Vor allem gilt es, trainingsinduzierte Hypoglyk­ämien zu vermeiden. Dazu rät der Experte, dass Trainierende vorab:

  • extra Kohlenhydrate verzehren (0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde, wenn der Blutzucker um 200 mg/dl liegt, 1,0 g/kg/h bei Werten um 120 mg/dl)
  • in Abhängigkeit von der Therapieform (Pen oder Pumpe) die Basaldosis reduzieren

Nutzen Patienten ein System zum kontinuierlichen Glukosemonitoring (CGM), sollten sie den Hypoglyk­ämiealarm vor dem Training auf die höchstmögliche Schwelle setzen, riet Prof. Klupa. 90 Minuten nach Trainingsende sollte der Blutzucker bei 100–180 mg/dl liegen. Auch in dieser Zeit sollte die Hypoglyk­ämieschwelle im CGM-System höher eingestellt bleiben, um sinkende Werte rechtzeitig zu bemerken. Steigt der Blutzucker nach dem Sport an, kann er korrigiert werden – allerdings nur mit der Häfte der üblichen Insulindosis.

Selbst Extrembelastungen wie Hochgebirgstrekking sind mit Typ-1-Dia­betes grundsätzlich möglich, wie Prof. Klupa berichtete. Dabei gilt es allerdings einiges an Zusatzgewicht im Rucksack zu verstauen: neben dem Zubehör für Insulinpumpe und CGM (sofern benutzt) auch schnell wirksame Kohlenhydrate, Blutzuckerstreifen (falls das CGM-System ausfällt), Insulinpen, Spritzen und Kanülen (wenn Pumpe oder Pen versagen), Ketonmessstreifen und Glukagon-Kit sowie klare Instruktionen für Mitreisende für Notfälle.2 Der Blutzucker muss mindestens sechsmal pro Tag kontrolliert und die Insulindosis angepasst werden. Die Hochgebirgstour zum Damavand im Iran, auf die Prof. Klupa und sein Team Menschen mit Typ-1-Diabetes 2016 begleiteten, verlief so ohne größere Zwischenfälle. Im Schnitt erlebte jeder Teilnehmer drei Hypoalarme pro Tag ohne schwere Dekompensationen. Pumpen und CGM-Geräte funktionierten auch in fast 6000 Metern Höhe.

Quellen:
1.Riddell MC et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2017; 5: 377-390
2.de Mol P et al. Diabetes Care 2014; 37: 2404-2413


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