Nach Unfall beim Oralsex starb der halbe Penis ab

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Ein Biss mit Folgen. Was als Spaß begann, hätte dem Mann fast den Penis gekostet. © Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018

Aus Vergnügen wurde bitterer Ernst: Weil er beim Oralverkehr versehentlich gebissen wurde, verlor ein 44-Jähriger beinahe komplett sein bestes Stück.

Kurz nach der Verletzung zeigte sich der Penis des Patienten gerötet, geschwollen und tat weh. Außerdem ließ sich die Vorhaut nicht mehr zurückziehen. An Begleiterkrankungen waren eine morbide Adipositas, terminales Nierenversagen, Osteomyelitis sowie ein Diabetes bekannt. Eine ambulante siebentägige antibiotische und antimykotische Therapie brachte keinen Erfolg.

Eitriger, nekrotisierender Weichteil­infekt

Als der Mann sich in der urologischen Klinik vorstellte, war das Glied stark gespannt und verhärtet mit Bildung einer Phimose und es entleerte sich Eiter. Im eilig durchgeführten CT sah man dorsal ein subkutanes Emphysem als Zeichen eines nekrotisierenden Weichteil­infektes. Insgesamt ergab sich so das Bild einer klassischen Fournier-Gangrän.

Diese Fasziitis des externen Genitals betrifft häufiger Männer als Frauen und die meisten weisen multiple Komorbiditäten wie starkes Übergewicht, Diabetes oder eine Immundefizienz auf.

Den Penis trifft sie äußerst selten isoliert, weltweit gibt es dazu nur 14 Fallberichte, schreiben Tyler­ Overholt­ von der West Virginia University School of Medicine und Kollegen. Klinisch imponieren Schmerzen, Schwellung, Erythem oder Dunkelverfärbung, Wundsekretion, Induration und Krepitation, gepaart mit Fieber. Zur akkuraten Diagnose gehört unbedingt ein CT, mit dem sich die verdickte Faszie und subkutane Lufteinlagerungen nachweisen lassen. Die Erkrankung ist in der Regel bakterieller Natur, zu den häufgsten Erregern gehören Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus, Bacteroides fragilis sowie Streptokokken- und Clostridienspezies.

Mix aus Gemella morbillorum, E. coli und Enterococcus avium

Bei ursächlichen Menschenbissen muss man mit einer fulminanten polymikrobiellen Infektion rechnen. Gängige Antibiotikaregime umfassen ein Zweit- bzw. Drittgenerations-Cephalosporin, Clindamycin und Fluorchinolone oder Gentamicin. Auch im vorliegenden Fall er­gab die Kultur ein buntes Bild aus E. coli, Enterococcus avium und Gemella morbillorum. Die Gangrän machte bei dem 44-Jährigen mehrere operative Débridements, eine Glans­ektomie, Urethrarekonstruktion und plastische Deckung erforderlich. Dank der chirurgischen Versorgung und einer Breitspektrumantibiose konnte er nach 13 Tagen das Krankenhaus verlassen, die Kontrolluntersuchungen zeigten eine gute penile Abheilung.

Quelle Text und Abb.: Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018


Bei der Vorstellung zeigte sich eine deutliche Phimose und es entleerte sich Eiter. Dorsal an Glans und Schaft war das Gewebe nekrotisch und musste scharf debridiert werden. © Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018
Zwei Tage später hatten sich erneut Nekrosen im betroffenen Gebiet gebildet. Jetzt wurde neben erneuter Débridement und Penisteilresektion eine komplette Glans­ektomie und Urethrarekonstruktion unumgänglich. © Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018
Penisrest nach Eichelentfernung und partieller Penektomie © Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018
Bild nach chirurgischer Sanierung und plastischer Deckung © Overholt T et al. Case Rep Urol 2018; 9798607 © Tyler Overholt et al. 2018