Anzeige

Intervallfasten „Nein danke, heute ess’ ich nichts mehr“

Autor: Dr. Anna Millenaar/Dr. Anja Braunwarth

Ein signifikanter Zusammenhang bestand insbesondere bei vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und bei Krebs. Ein signifikanter Zusammenhang bestand insbesondere bei vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und bei Krebs. © Dyeru – stock.adobe.com
Anzeige

Dem intermittierenden Fasten werden meist günstige Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Ein aktuelles Review bestätigt das – eine neue Langzeitstudie dagegen gibt eher Anlass zur Sorge.

Die positiven Effekte des Intervallfastens in seinen unterschiedlichen Varianten wurden in etlichen randomisierten, kontrollierten Studien ermittelt. Oft waren diese Arbeiten aber auf einen einzelnen Aspekt beschränkt. In einem Review haben Ming-Li Sun von der China Medical University in Shenyang und Kollegen systematisch den Einfluss des Kurzzeitfastens auf eine Vielzahl von Parametern analysiert. Dazu zählten u.a. verschiedene physische Eigenschaften und Daten wie Körpermaße und -proportionen sowie die Effekte auf das Herz-Kreislauf-System oder auf Glukose- und Fettstoffwechsel.

Zur Auswertung kamen die Daten aus 23 Metaanalysen. Insgesamt untersuchte das Team 351 Zusammenhänge mit 34 gesundheitsbezogenen Outcomes. Davon erwiesen sich 103 der Assoziationen als signifikant. Übergewichtige Menschen, die intermittierend fasteten, profitierten verglichen mit einer normalen Ernährungsweise gleich mehrfach.

Die Diät bewirkte beispielsweise eine Reduktion des Taillenumfangs (-1,02 cm), der Körperfettmasse (-0,72 kg) und des Nüchterninsulins (standardisierte mittlere Differenz -0,21). Zudem besserten sich Triglyzeridwerte, LDL- und Gesamtcholesterin, der Anteil fettfreier Körpermasse nahm leicht zu. Bei Übergewichtigen und Menschen mit Typ-2-Diabetes konnte das Kurzzeitfasten im Vergleich zu einer alleinigen Kalorienreduktion zudem den HDL-Cholesterinspiegel erhöhen.

Allerdings bewirkte das Intervallfasten einen geringeren Rückgang des systolischen Blutdrucks als die bloße Drosselung der Gesamtkalorienmenge, berichtet die Autorengruppe. Insgesamt zeige die Analyse die positiven Effekte des Intervallfastens auf eine ganze Reihe von Parametern und liefere den Ärzten wichtige Erkenntnisse, um Patienten auf hohem Evidenzniveau beraten zu können.

Lange Esspausen mit höherem Sterberisiko assoziiert

Mögen sich die Ergebnisse aus Shenyang auch noch so positiv anhören, gießen die Autoren einer zweiten chinesischen Studie reichlich Wasser in den Wein. Meng Chen von der Shanghai Jiao Tong University und Kollegen präsentierten ihre Daten in einem Postervortrag auf einem Meeting der American Heart Association. Das Wissenschaftlerteam hatte die Essgewohnheiten von mehr als 20.000 Personen über durchschnittlich acht Jahre hinweg untersucht.

Teilnehmer, die ihre Nahrungsaufnahme auf einen Zeitraum von maximal acht Stunden täglich beschränkten, hatten im Vergleich zu denen mit einer Verteilung auf 12–16 Stunden ein beinahe doppelt so hohes Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod (Hazard Ratio, HR, 1,96). Ein signifikanter Zusammenhang bestand insbesondere bei vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung (HR 2,06) und bei Krebs (HR 2,72).

1. Sun M-L et al. eClinicalMedicine 2024; 70: 102519; DOI: 10.1016/j.eclinm.2024.102519
2. Chen M et al. 2024 EPI Lifestyle Annual Meeting; Abstract P192