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Checkpoint-Inhibition Neurologische Komplikationen seltener als unter Standardtherapie beobachtet

Autor: Dr. Judith Lorenz

Gerade neurologische immunvermittelte Komplikationen sollten genau beleuchtet werden. Gerade neurologische immunvermittelte Komplikationen sollten genau beleuchtet werden. © iStock/K_E_N
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Neurologische Komplikationen treten unter Checkpoint-Inhibitoren seltener auf als unter einer Chemotherapie. Das berichtet ein US-Forscherteam, das eine Metaanalyse von Studiendaten mit mehr als 23.000 Krebspatient:innen durchführte. Offene Fragen bleiben jedoch – zum Beispiel die nach selteneren Nebenwirkungen und dem Risiko für ältere oder gebrechliche Personen.

CPI sind gegenwärtig zur Behandlung von mehr als 50 verschiedenen Tumorarten zugelassen. Angesichts ihres einzigartigen Wirkmechanismus eröffnet sich ein neues Nebenwirkungsspektrum, schreiben Kolleg:innen um Dr. Muhammad Farooq von der Universität Südflorida in Tampa.1 Es sei wichtig, gerade neurologische immunvermittelte Komplikationen genau zu beleuchten. Diese können langfristig erhebliche Einschränkungen nach sich ziehen und verlaufen nicht selten tödlich. Wie häufig unter der Behandlung mit solchen Nebenwirkungen gerechnet werden muss, untersuchten die Forschenden mithilfe einer Metaanalyse von Studiendaten (siehe Kasten).

Mehr als 20.000 Erkrankte eingeschlossen

Mittels systematischer Literaturrecherche identifizierte das Team 39 randomisierte kontrollierte Phase-2/3-Studien, in denen gegen PD(-L)1 und/oder gegen CTLA-4 gerichtete CPI mit einer Standardbehandlung (z.B. Chemo- oder zielgerichtete Therapie) oder einem Placebo verglichen wurden. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler:innen die Daten von 23.705 Studienteilnehmenden, davon 68 % Männer, mit einer Vielzahl verschiedener Tumorentitäten. Den größten Anteil machte dabei das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom aus. 

Seltener Neuropathien und Geschmacksstörungen

Unerwünschte neurologische Komplikationen erlitten rund 15 % der mit CPI behandelten Personen und 20 % der Kontrollen. Für die Immunmodulatoren ergab sich diesbezüglich eine Risikoreduktion um 41 %. Insbesondere periphere Neuropathien und Geschmacksstörungen stellten die Forschenden in der CPI-Gruppe seltener fest, Kopfschmerzen traten dagegen häufiger auf. 

Im Vergleich speziell mit Zytostatika war die Immuntherapie ebenfalls im Vorteil: Hier betrug die Risikodifferenz sogar 78 %. Periphere Neuropathien und Geschmacksstörungen gab es auch in dieser Analyse unter den CPI seltener, ebenso Parästhesien. Verglichen mit Placebo schnitten die Immunmodulatoren dagegen schlechter ab, da unter der Behandlung eine um 57 % erhöhte Wahrscheinlichkeit für neurologische Komplikationen bestand. Die Therapie verursachte insbesondere Kopfschmerzen.

Obwohl CPI gegenüber Placebo häufiger neurologische Nebenwirkungen mit sich bringen, ist das Risiko diesbezüglich im Vergleich zu einer Chemotherapie deutlich geringer, schlussfolgern die Autor:innen. In weiteren Studien müsse nun ihrer Ansicht nach das neurologische Nebenwirkungsspektrum genauer beleuchtet und dabei insbesondere seltenere Komplikationen geprüft werden.

Die Ergebnisse der Metaanalyse können im klinischen Alltag bei der Beratung onkologischer Patient:innen helfen, schreibt Dr. Daniel Vargas Pivato de Almeida­ von der Grupo Oncoclínicas in Brasília in seinem Kommentar.2 Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Wirkstoffklasse der CPI zunehmend auch für ältere, gebrechliche und schwerer kranke Personen empfohlen wird – diese Gruppe ist jedoch üblicherweise in klinischen Studien unterrepräsentiert. Der Experte geht davon aus, dass immunvermittelte Nebenwirkungen für dieses Risikokollektiv deutlich gefährlicher sein könnten als für die Allgemeinbevölkerung.

1. Farooq MZ et al. JAMA Netw Open 2022; 5: e227722; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.7722
2. Vargas Pivato de Almeida D. JAMA Netw Open 2022; 5: e227731; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.7731

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