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Peritonsillarabszess per Smartphone diagnostizieren

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Es braucht nicht mehr als ein Smartphone mit Kamera, um einen Peritonsillarabszess zu entdecken. Es braucht nicht mehr als ein Smartphone mit Kamera, um einen Peritonsillarabszess zu entdecken. © iStock/AndreyPopov
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Patienten mit behandlungsbedürftigem Peritonsillarabszess lassen sich auch aus der Ferne identifizieren – und zwar mittels Video. Für die Aufnahmen reicht die Kamera eines gängigen Smartphones aus.

Einen Peritonsillarabszess (PTA) per Smartphone-Video zu diagnostizieren, ist machbar und für die Patienten sicher. Das zeigt eine Pilotstudie mit 31 Erwachsenen, deren Gaumenmandelbefund sowohl telemedizinisch als auch klassisch im Direktkontakt mit einem HNO-Arzt beurteilt wurde.

Die Videoaufnahmen aus der hinteren Mundhöhle der Patienten wurden mit der Standardkamera eines gängigen Smartphones bei angeschaltetem Blitzlicht gemacht. Die Videos dauerten zwischen 14 und 27 Sekunden. Fünf HNO-Ärzte schauten sich die Aufnahmen an und beurteilten dann ohne weitere Informationen, ob der Patient eine PTA hat und ob eine dringende HNO-ärztliche Untersuchung bzw. Intervention nötig ist.

Spezielles Training ist nicht erforderlich

Beim Abgleich der Video-Einschätzungen mit den tatsächlichen HNO-ärztlichen Diagnosen vor Ort ergab sich eine diagnostische Genauigkeit von 0,81, d.h. in 81 % der Fälle stimmte die Video- mit der Vorortdiagnose überein. Bei der Empfehlung für eine sofortige persönliche Vorstellung beim HNO-Arzt, z.B. zum Legen einer Drainage, ergab sich sogar eine Übereinstimmung von 90 %. Die Qualität der Videos wurde von den HNO-Ärzten überwiegend als ausreichend hoch für die Diagnosestellung beurteilt.

Für die telemedizinische Diagnose eines PTA auch von kleinerem Ausmaß ist also ein modernes Smartphone mit Videofunktion durchaus geeignet, meinen die Autoren. Ein spezielles Training ist nicht erforderlich, sodass auch Notfall­ambulanzen damit gut arbeiten können. Die Befürchtung, ein kompliziertes Krankheitsbild zu übersehen, scheint zumindest bei einer Beurteilung durch einen Facharzt unbegründet.

Quelle: Mallen JR et al. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2020; DOI 10.1001/jamaoto.2020.1972

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