Hysterektomie Radikal ist nicht immer optimal

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die einfache Hysterektomie sei ausschließlich für Patientinnen mit Low-Risk-Tumoren geeignet. Die einfache Hysterektomie sei ausschließlich für Patientinnen mit Low-Risk-Tumoren geeignet. © Parilov – stock.adobe.com

Die Hysterektomie ist aus der Behandlung von Zervixkarzinomen nicht mehr wegzudenken. Ist eine radikale Behandlung jedoch immer sinnvoll?

Auch im Frühstadium eines Zervixkarzinoms gilt derzeit die radikale Hysterektomie, bei der u.a. Korpus, Zervix, der obere Teil der Vagina und ein Teil der Parametrien entfernt werden, als Methode der Wahl. Einige Beobachtungsstudien lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob dieses Vorgehen immer nötig ist. 

Marie Plante vom Uniklinikum Québec und Kollegen führten deshalb eine Studie bei Frauen mit Zervixkarzinom im Stadium IA2 oder IB1 durch. Voraussetzung war, dass die Bildgebung keine Lymphknoten­metastasen zeigte. Zudem sollte das Karzinom maximal 2 cm groß und höchstens 10 mm ins Stroma eingedrungen sein (Biopsie) oder weniger als 50 % des Stromagewebes erfasst haben (präop-MRT).

Jeweils 350 Patientinnen unterzogen sich randomisiert einer radikalen oder einer einfachen Hysterektomie (d.h. nur Uterus inkl. Zervix). Immer erfolgte eine Dissektion der Beckenlymphknoten, ein Sentinel-Lymphknoten-Mapping war optional.

Das mediane Follow-up betrug viereinhalb Jahre. Nach drei Jahren hatten 2,17 % der Frauen bei radikalem Vorgehen ein Rezidiv im Beckenbereich entwickelt, bei weniger radikalem 2,52 %. Die einfache Hysterektomie war damit der radikalen für den untersuchten Zeitraum nicht unterlegen. Was die postoperativen Komplikationen betraf, schnitt sie etwas besser ab. Vier Wochen nach dem Eingriff traten eine Harninkontinenz oder ein Harnverhalt wesentlich seltener auf (2,4 % vs. 5,5 % bzw. 0,6 % vs. 11 %). Auch die Lebensqualität (inkl. sexuelle Aktivität) beurteilten diese Frauen positiver.

Tiefe der Stromainvasion bei Therapiewahl berücksichtigen

Die Ergebnisse lassen auch bei Prof. Dr. Pedro Ramirez vom Houston Methodist Hospital Neal Cancer Center Zweifel an der bisherigen Praxis aufkommen. Allerdings ist für die Wahl des Vorgehens eine exakte Beurteilung des präoperativen Befundes notwendig, z.B. Tumorgröße und Tiefe der Stromainvasion. Dies sei via Bildgebung nicht immer möglich und die Ergebnisse können widersprüchlich ausfallen, schreibt er. Die einfache Hysterektomie sei ausschließlich für Patientinnen mit Low-Risk-Tumoren geeignet.

Quellen:
1. Plante M et al. N Engl J Med 2024; 390: 819-829; DOI: 10.1056/NEJMoa2308900
2. Ramirez PT. N Engl J Med 2024; 390: 861-862; DOI: 10.1056/NEJMe2400423