Rauch im Bauch: Verdauungstrakt reagiert bösartig auf Zigarettenqualm

Autor: Kathrin Strobel

Ein Rauchstopp ist im Ösophagus erst nach 20 Jahren effektiv. © demiurge – stock.adobe.com

Tabakrauch enthält bis zu 7000 verschiedene Substanzen. Mindestens 69 davon wirken kanzerogen. Dass Zigaretten auch das Risiko für gastrointestinale und hepatopankreatische Tumoren deutlich erhöhen, hat aber nicht jeder auf dem Schirm.

Im Vergleich zu Nie-Rauchern ist bei aktiven Rauchern die Wahrscheinlichkeit für ein Plattenepithelkarzinom des Ösophagus bis zu 2,6-fach erhöht, berichtete Privatdozent Dr. Markus Menges von der Klinik für Innere Medizin II am Diakonieklinikum Schwäbisch Hall. Und das Risiko steigt linear mit der Dauer und Intensität des Rauchens, wobei viele Zigaretten pro Tag über kurze Zeit weniger gefährlich zu sein scheinen als wenige über lange Zeit. Tabak mit hohem Teergehalt wirkt zusätzlich verstärkend.

Auch das passive Rauchen ist alles andere als ungefährlich für die Speiseröhre: Eine Exposition von über 14 Stunden pro Woche erhöhte in einer Studie das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom um das 2,7-Fache im Vergleich zu Nicht-Exponierten. Doch es gibt auch Hoffnung: Denn durch einen Rauchstopp lässt sich einiges gewinnen. Im Vergleich zu aktiven Rauchern haben Ex-Raucher nach fünf bis neun Jahren ein relatives Risiko von 0,59, ein solches Karzinom zu entwickeln; nach zehn bis zwanzig Jahren liegt es bei 0,42.

Eine Metaanalyse von 16 Studien zeigte, dass Zigarettenkonsum ein entscheidender Faktor für die Entwicklung einer erosiven Refluxkrankheit, die Entstehung eines Barrett-Ösophagus sowie die Progression zu einem Adenokarzinom des Ösophagus ist. In einer holländischen Kohortenstudie mit 120 852 Teilnehmern entwickelten aktive Raucher 1,67-mal häufiger ein Adenokarzinom als Abstinenzler. In einer gepoolten Analyse aus zwölf Kohortenstudien war das relative Risiko von Dauerquarzern im Vergleich zu Nie-Rauchern fast verdoppelt (1,96). Ein Rauchstopp hat beim Ösophagus-Adenokarzinom zwar einen positiven Effekt. Allerdings macht sich dieser erst nach mehr als 20 Jahren wirklich bemerkbar.

Karzinome des ösophagogastralen Übergangs sowie Magenkarzinome kommen bei Rauchern deutlich häufiger vor als in der qualmfreien Bevölkerung. Das relative Risiko liegt bei 1,87 bzw. 1,6. Eine ähnliche, wenngleich nicht ganz so hohe Wahrscheinlichkeit ergibt sich für das kolorektale Karzinom (1,38 für aktive und 1,18 für ehemalige Raucher). Es besteht eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung, betonte Dr. Menges. Analkarzinome werden insgesamt häufiger – in neueren Fall-Kontroll-Studien liegt das relative Risiko unter Rauchern bei 3,8–3,9.

Die Wundheilung wird in Mitleidenschaft gezogen

Professor Dr. Christian Prinz von der Medizinischen Klinik 2 des Helios Universitätsklinikums Wuppertal sprach über Rauchen als Risikofaktor für peptische Ulzera. In einer US-amerikanischen Populationsstudie war die Prävalenz der Ulkuskrankheit bei gegenwärtigen und ehemaligen Rauchern fast doppelt so hoch wie bei Abstinenzlern (ca. 11,5 % vs. 6,0 %). Zudem verschlechtert Qualmen die Wundheilung. So entwickeln Zigarettenraucher mit größerer Wahrscheinlichkeit schlecht abheilende Ulzera. Die Gefahr von Blutungen und Perforationen der Geschwüre ist bei Rauchern, die täglich viel Tabak zu sich nehmen, im Vergleich zu Nichtrauchern signifikant erhöht.

Ein Viertel der Pankreastumoren durch Zigaretten

Über die Wahrscheinlichkeit, als Raucher hepatobiliäre und Pankreastumoren zu entwickeln, sprach Dr. Ali A. Aghdassi, Klinik für Innere Medizin A, Universitätsmedizin Greifswald. Das Pankreaskarzinom ist der vierthäufigste maligne Tumor in der westlichen Welt, bis zu ein Viertel der Fälle lässt sich mit Rauchen in Verbindung bringen. Eine Assoziation zwischen der Menge des Nikotinkonsums und dem Krebsrisiko ist dabei „sehr wahrscheinlich“. Für das cholangiozelluläre Karzinom seien die Daten weniger einheitlich. Die Odds Ratio liegt in Studien bei 1,38–1,8, so der Referent.

Quelle:
Viszeralmedizin 2019
Sitzung „Rauchen – klinische Bedeutung in Gastroenterologie und Hepatologie“