Risikokinder vor Allergien schützen

Autor: Maria Weiß

Wie lässt sich bei Kindern von Beginn das Risiko für Allergien mindern? © iStock/triocean

Gerade allergiebelastete Eltern fragen oft, was sie tun können, um ihren Kindern das gleiche Schicksal möglichst zu ersparen. Zwei Pädiater haben zusammengefasst, welche Maßnahmen tatsächlich präventiv wirken.

Einiges kann getan werden, bevor das Kind überhaupt auf der Welt ist. Dazu gehört, medizinisch nicht-induzierte Kaiserschnittgeburten zu vermeiden, betonte Professor Dr. Gesine Hansen von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie in Hannover. In einer großen dänischen Kohortenstudie wurde gezeigt, dass Kinder nach einer Sectio ein um 20 % höheres Asthma-Risiko haben.

Kaiserschnittbabys mit Vaginalsekret einschmieren?

Schuld daran soll vor allem die veränderte mikrobiologische Besiedlung des Darms bei den neugeborenen Kaiserschnittbabys sein. Erst nach einem Jahr hat sich ihr Mikrobiom an das von Vaginalgeborenen angeglichen. Ein Ausbleiben dieser „Reifung“ war für Kinder von Asthmatikerinnen mit einem gestiegenen Risiko assoziiert, als Fünfjährige ebenfalls die Erkrankung zu entwickeln. Auch das Risiko für eine Nahrungsmittelallergie stieg in Studien durch die Sectio deutlich.

Ob ein Vaginal-Seeding – das Einschmieren der Babys mit mütterlichem Vaginalsekret direkt nach dem Kaiserschnitt – das Risiko vermindert, ist zurzeit noch nicht belegt, sagte Prof. Hansen. Hier stünden Langzeitergebnisse noch aus. Für einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Allergierisiko spricht auch die Beobachtung, dass eine frühe Antibiotika-Exposition mit einem erhöhten Risiko für eine allergische Rhinitis assoziiert ist.

Heuschnupfenkinder

Bei Kindern mit allergischer Rhinitis scheint eine frühzeitige spezifische Immuntherapie (SIT) vor der Entwicklung von Asthma zu schützen. Problem ist hier aber, dass das Asthma häufig bereits vor dem Heuschnupfen auftritt. Erste Studien zur Wirksamkeit einer SIT zur Primärprävention bei Hochrisiko-Kindern haben eine verminderte Sensibilisierungsrate gezeigt.

Präventiv könnte die Einnahme von Fischöl-Präparaten in der Schwangerschaft helfen. Eine randomisierte Studie ergab eine 30%ige Reduktion von persistierendem Giemen oder Asthma im Vergleich zu Placebo (Olivenöl), wenn die Frauen ab der 24. Schwangerschaftswoche Fischöl einnahmen. Der schützende Effekt war 20 Jahre später noch nachweisbar. Isst das Kind zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr regelmäßig Fisch, scheint sich dadurch das Risiko für atopisches Ekzem, Asthma und Giemen im Alter von sechs Jahren ebenfalls zu reduzieren.

Was kann nach Geburt sonst noch getan werden, um den „allergischen Marsch“ aufzuhalten? Da die Störung der Hautbarriere eine Sensibilisierung über die Haut begünstigt, könnte eine tägliche Basispflege von Geburt an das Risiko möglicherweise reduzieren, berichtete Professor Dr. Eckard Hamelmann vom Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. Die Studienergebnisse hierzu sind uneinheitlich, was z.T. am falschen Zeitfenster oder der falschen Zielpopulation gelegen haben könnte. Schaden kann das tägliche Eincremen aus seiner Sicht aber nicht.

Es kommt immer auf das Zeitfenster an

Eine positive Beeinflussung des Mikrobioms erhofft man sich von der Gabe von bakteriellen Lysaten zwischen dem 2. und 7. Lebensmonat. Bei einfach positiver Familienanamnese führte dies zu einer signifikanten Reduktion der atopischen Dermatitis. Auch die frühe Einführung von Beikost kann schützen. Zumindest für Erdnüsse konnte gezeigt werden, dass ein früher Konsum vor späteren Erdnussallergien schützen kann. Auch hierbei kommt es ganz entscheidend auf das richtige Zeitfenster an, betonte der Pädiater.

Quelle: 14. Deutscher Allergiekongress