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Schlafbezogene Atemstörungen bedrohen auch junge Sportler

Autor: Dr. Sascha Bock

Gerade Football- und Rugbyspieler haben aufgrund ihrer Kontaktsportart einen höheren BMI und somit auch ein höheres Risiko für schlafbezogene Atmungsstörungen. Gerade Football- und Rugbyspieler haben aufgrund ihrer Kontaktsportart einen höheren BMI und somit auch ein höheres Risiko für schlafbezogene Atmungsstörungen. © iStock/dima_sidelnikov
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Junge Athleten leiden nachts häufiger als angenommen unter Atemaussetzern. Das könnte ihr Herz gefährden. Sollte man bestimmte Sportler auf eine Schlafapnoe screenen?

Ein plötzlicher Herztod ist besonders bei Leistungssportlern gefürchtet. Über Arrhythmien können schlafbezogene Atemstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe letztlich ein solches Ereignis bedingen. Japanische Forscher zählten eins und eins zusammen und wollten mehr über die Relevanz nächtlicher respiratorischer Aussetzer bei Athleten wissen.

Die Atemstörung (sleep disordered breathing, SDB) definierten die Kollegen als Apnoe-Hypopnoe-Index ≥ 5 Episoden/Stunde über mehr als drei Stunden Schlaf. Klassische SDB-Risikofaktoren tragen u.a. Rugby- oder Footballspieler. Denn wer diese Kontaktsportarten ausübt, hat öfter einen höheren BMI und einen größeren Halsumfang. Für die Studie unterzogen sich 42 langjährige Rugbyspieler im mittleren Alter von 18,6 Jahren diversen kardiorespiratorischen Tests.

Zunächst gingen die Probanden zu Hause mit einem validierten Schlafanalysegerät am Handgelenk zu Bett – ein Ersatz für die stationäre Polysomnographie. Parameter wie Körperfettmasse und Nackenumfang wurden dokumentiert. Es folgten Echokardiographie, Spiro­ergometrie, Langzeit-EKG sowie eine Augenuntersuchung. Schließlich kann eine schlafbezogene Atemstörung auch mit ophthalmologischen Auffälligkeiten einhergehen.

Die Inzidenz der SDB lag höher, als die Experten angenommen hatten, und übertraf die Häufigkeit bei Männern mittleren Alters in der Allgemeinbevölkerung. 18 Rugbyspieler erfüllten die Kriterien: 16 wiesen ein mildes Stadium auf, 2 ein moderates. Diese Athleten hatten einen höheren Ruhepuls, eine höhere Herzfrequenz im Schlaf sowie deutlich mehr ventrikuläre Extrasystolen im 24-Stunden-EKG als die Probanden mit physiologischem Apnoe-Hypopnoe-Index.

Im Ein-Jahres-Follow-up fand sich bei den Sportlern mit Atemstörung ein leichter Anstieg des Augen­innendrucks. Zudem mussten sie häufiger wegen eines Traumas unters Messer (28,8 % vs. 8,7 %). Die Forscher führen diesen numerischen, aber nicht signifikanten Unterschied zum Teil auf SDB-bedingte Aufmerksamkeitsprobleme zurück.

Das vegetative Nervensystem gerät durcheinander

Bereits im milden Stadium können die respiratorischen Aussetzer das vegetative Nervensystem durchei­nanderbringen. Auch die Rugbyspieler mit SDB hätten entsprechende Warnzeichen gezeigt, schreiben die japanischen Kollegen. Insgesamt erscheint ein Screening junger Athleten aus Kontaktsportarten sinnvoll, um einem möglichen Herzrisiko vorzubeugen.

Quelle: Iso Y et al. ERJ Open Res 2019; 5: 00029-2019


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