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Schlafmangel als Risikofaktor für Diabetes

Autor: Maria Weiß

Bei Patienten mit Diabetes bzw. metabolischem Syndrom sollte man nach ihrer Nachtruhe fragen. (Symbolbild) Bei Patienten mit Diabetes bzw. metabolischem Syndrom sollte man nach ihrer Nachtruhe fragen. (Symbolbild) © iStock/Motortion
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Wie gut wir schlafen, trägt entscheidend dazu bei, ob wir einen Diabetes entwickeln. Denn die Schlafdauer moduliert die Aktivität der endokrinen und metabolischen Signalwege.

Es verwundert nicht, dass sich Schlaf und Diabetes gegenseitig beeinflussen. Schließlich regulieren hypothalamische Kerngebiete im Gehirn nicht nur Schlaf und Wachheit, sondern sind auch wesentlich am Glukosestoffwechsel, Appetit und an der Nahrungsaufnahme beteiligt, erklärte Professor Dr. Sebastian­ Schmid­ vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung der Universität Lübeck.

Zu wenig Tiefschlaf mindertdie Insulinsensitivität

Im Schlaflabor ist man dem Zusammenhang genauer nachgegangen. Dabei hat sich gezeigt, dass schon zwei Nächte mit einer Schlafrestriktion auf vier Stunden die Insulinsensitivität im Vergleich zur Baseline signifikant reduzieren. Aber nicht nur die reine Schlafdauer scheint von Bedeutung. Nach drei Nächten, in denen der Tiefschlaf der Probanden unterdrückt wurde, wiesen diese ebenfalls eine verminderte Insulinsensitivität und Glukosetoleranz auf.

Auch möglichen Pathomechanismen ist man auf der Spur. Die Schlafrestriktion geht mit einem erhöhten Fett- und Kohlenhydratkatabolismus einher, was zu einer gesteigerten Adipogenese mit erhöhtem Kohlenhydrat-Turnover führt. Dies erkläre zumindest zum Teil die negativen Auswirkungen einer zu kurzen Schlafdauer auf die Glukosetoleranz und eine vermehrte Gewichtszunahme.

Umgekehrt wirkt sich die Ernährung auf den Schlaf aus. In einem weiteren Experiment blieben die Teilnehmer sechs Tage im Labor. Dabei erhielten sie an Tag 1 zunächst 2200 kcal, dann folgten zwei Tage mit einer Kalorienzufuhr von jeweils 220 kcal und die restlichen Tage konnte sie sich rund um die Uhr von einem köstlichen Buffet bedienen – und konsumierten so im Schnitt mehr als 4000 kcal. Erwartungsgemäß lagen die Spiegel von Leptin, Nüchterninsulin und Nüchternglukose deutlich unter den Werten des ersten und der Schlemmtage.

Winterschlaf-Effekt durch Fasten

In der Polysomnographie erkannten die Forscher zudem, dass das Fasten die Tiefschlafphasen signifikant verlängerte. Das sei ein bisschen so wie beim Winterschlaf von Tieren, sagte Prof. Schmid. Auch bei ihnen führt eine reduzierte Energieaufnahme zu vermehrtem Tiefschlaf.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis? Zumindest sollte man alle Patienten mit Diabetes bzw. metabolischem Syndrom regelmäßig fragen, ob sie gut schlafen und ausgeruht aufwachen. Ist dies nicht der Fall, müssen potenzielle Ursachen wie z.B. ein obstruktives Schlafapnoesyndrom abgeklärt und konsequent behandelt werden, führte der Experte aus.

Quelle: Diabetes Herbsttagung 2019


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