Schlafstörungen bei Kindern: Wenn das Sandmännchen daneben wirft

Autor: Maria Weiß

Wenn nachts die Monster kommen, können viele Kinder nicht mehr einschlafen. © iStock.com/PeopleImages

Nicht-organische Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind oft entwicklungsbedingt und gehen vorüber. Andauernde Ein- und Durchschlafprobleme können aber – ebenso wie ein übermäßiges Schlafbedürfnis – ernste Folgen haben und bedürfen der Behandlung.

Krankheitswert bekommen Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen in der Regel erst dann, wenn diese darunter leiden oder ihre soziale, schulische bzw. berufliche Funktionsfähigkeit beeinträchtigt ist. Die S1-Leitlinie „Nicht-organische Schlafstörungen (F51)“ hilft dabei, die richtige Diagnose zu stellen und ggf. die richtige Therapie einzuleiten. Dabei differenziert sie zwischen verschiedenen Entitäten.

Nicht-organische Insomnie

Betroffene Kinder, Jugendliche bzw. ihre Eltern berichten über Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder eine insgesamt schlechte Schlafqualität, die länger als einen Monat andauert und mindestens dreimal pro Woche auftritt. Die Insomnie kann verhaltensbedingt sein, z.B. bei inadäquater Einschlafassoziation und fehlenden Grenzsetzungen. Oder es kann eine mangelhafte Schlafhygiene mit unregelmäßigen Einschlafzeiten vorliegen, wodurch die Kinder bei Übermüdung am Tag einschlafen. Bei Jugendlichen kommen auch der Missbrauch digitaler Medien oder koffeinhaltige Getränke ins Spiel.

Nicht-organische Hypersomnie

Diese Form findet man am häufigsten in der Adoleszenz. Die Jugendlichen klagen über unverhältnismäßige Schlafneigung am Tag oder Schlafanfälle, die nicht durch eine inadäquate Schlafdauer erklärbar sind. Auch ein verlängerter Übergang zum vollen Wachzustand (Schlaftrunkenheit) wird dazu gezählt.

Somnambulismus

Schlafwandeln stellt sich am häufigsten bei Kindern zwischen 5 und 12 Jahren ein und wird oft familiär gehäuft beobachtet. Es kommt zu wiederholten Episoden, bei denen die Kinder das Bett verlassen und mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde umherlaufen, meist während des ersten Drittels des Nachtschlafes. Nach dem Erwachen erinnern sich die Betroffenen typischerweise an nichts. Auslöser können Fieber, Medikamente oder Schlafmangel sein.

Pavor nocturnus

Auch der Nachtschreck tritt meist während des ersten Schlafdrittels auf. Betroffene erwachen mit einem Panikschrei und zeigen alle körperlichen Zeichen der Angst wie Tachykardie, Herzklopfen, schnelle Atmung und Schweißausbrüche. Die Episoden dauern weniger als zehn Minuten. Der Versuch, beruhigend einzuwirken, führt nicht zum Erfolg. Die Erinnerung an das Traumgeschehen ist sehr begrenzt. Auch hier findet man eine familiäre Häufung.

Albträume

Albträume sind während der zweiten Nachthälfte typisch. Die Kinder erwachen mit lebhafter Erinnerung an heftige Angstträume. Traumerleben und die Störung des Schlafs erzeugen einen deutlichen Leidensdruck, was Befürchtungen vor erneuten Albträumen und dem Zubettgehen zur Folge haben kann.

Diagnostisch müssen an erster Stelle andere psychische und körperliche Erkrankungen ausgeschlossen werden (s. Kasten). Therapeutisch kommen bei Kindern und Jugendlichen mit Insomnie vor allem verhaltenstherapeutische und schlafhygienische Interventionen infrage. Nur wenn diese trotz aller Bemühungen nicht zum Erfolg führen, kann für wenige Wochen zur Entlastung auch eine medikamentöse Therapie ins Auge gefasst werden.

Störungsspezifische Diagnostik

  • Um das Ausmaß der Schlafstörung zu erfassen, sollten die Patienten und ihre Bezugspersonen ausführlich zu Schlafgewohnheiten und -umständen, Tagesmüdigkeit sowie nach besonderen psychosozialen Belastungssituationen befragt werden.
  • Auch das Führen eines Schlaftagebuchs und evaluierte Schlaffragebogen können hilfreich sein.
  • Ins Schlaflabor sollten Kinder und Jugendliche zur Abklärung von Narkolepsie und Schlafapnoe bei Hypersomie, bei therapieresistenter chronischer Insomnie oder bei der Unterscheidung von dissoziativer Störung und Somnambulismus.

Hier können z.B. Baldrian oder aufgrund ihrer schlaffördernden Wirkung Antihistaminika der ers­ten Generation eingesetzt werden. Benzodiazepine und Z-Substanzen sollten bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich nicht angewandt werden. Für sie fehlt auch die Zulassung im Kindes- und Jugendalter. In Einzelfällen kann ein Heilversuch mit Melatonin erfolgen, auch bei Kindern mit ADHS und Schlafstörungen. 

Quelle: S1-Leitlinie „Nicht-organische Schlafstörungen (F51)“ AWMF-Register Nr. 028/012, www.awmf.org