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Schützen Omega-3-Fettsäuren vor Autoimmundiabetes?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Fisch kann mehr als nur gut schmecken, dank dessen Omega-3-Fettsäuren. Fisch kann mehr als nur gut schmecken, dank dessen Omega-3-Fettsäuren. © karepa – stock.adobe.com
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Personen mit Inselzell-Autoantikörpern haben ein erhöhtes Risiko für die Manifestation eines autoimmunen Diabetes im Erwachsenenalter (LADA). Eine fischreiche Ernährung sowie hohe Omega-3-Fettsäure-Konzentrationen schützen möglicherweise davor.

Der am häufigsten bei LADA-Patienten nachweisbare Autoantikörper richtet sich gegen die 65-kDa-Isoform der Glutamat-Decarboxylase (GAD65). Darauf weist ein internationales Forscherteam um Dr. Josefin­ E. Löfvenborg­ vom Karolinska Institutet in Stockholm hin. Frühere Studien gaben bereits Anhaltspunkte dafür, dass mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaen- (EPA) oder Docosahexaensäure (DHA) angesichts ihrer antiinflammatorischen Wirkung möglicherweise vor Autoimmunerkrankungen schützen. Die Wissenschaftler gingen daher der Frage nach, ob ein Zusammenhang zwischen dem Antikörpernachweis und dem Fischkonsum bzw. der relativen Konzentration von Omega-3-Fettsäuren in den Plasmaphospholipiden im Hinblick auf die Diabetesinzidenz besteht.

Dazu werteten sie Daten der in acht europäischen Ländern durchgeführten prospektiven EPIC-InterAct-Studie aus, an der zwischen 1991 und 2007 mehr als 340.000 Personen teilgenommen hatten. Das Analysekollektiv bildeten 11.247 Erwachsene, die im Verlauf einen Diabetes entwickelt hatten, sowie 14.288 gesunde Kontrollen. Zu Studienbeginn waren alle Personen zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt worden. Außerdem hatte man ihnen Blutproben zur Bestimmung von GAD65-Antikörpern und der Konzentration von Omega-3-Fettsäuren in den Plasmaphospholipiden entnommen. Der GAD65-Nachweis ging mit einer um Faktor 1,8 erhöhten Dia­betesinzidenz einher. Die Forscher beobachteten dabei eine Interaktion zwischen den Autoantikörpern und dem Fischverzehr: Im Vergleich zu GAD65-negativen Personen mit hohem Fischkonsum hatten GAD65-positive Personen, die selten fettreichen Fisch aßen, eine etwa 2,5-mal höhere Diabetesinzidenz.

Ähnliches zeigte sich im Hinblick auf die Konzentration der Omega-3-Fettsäuren in den Plasmaphospholipiden: Hohe GAD65-Antikörpertiter in Kombination mit niedrigen Omega-3-Fettsäure- bzw. Docosahexaensäure-Konzentrationen gingen mit einer um mehr als das Vierfache erhöhten Diabetesinzidenz einher.

Möglicherweise verzögert der Verzehr fetten Fisches bzw. mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren – insbesondere bei Menschen mit hohen GAD65-Antikörperspiegeln – den Progress einer Inselzell-Autoimmunität hin zu einem manifesten Diabetes, schlussfolgert das Autorenteam. Umgekehrt vervielfachen ein geringer Fischkonsum sowie niedrige Omega-3-Fettsäure-Spiegel vermutlich das Diabetesrisiko bei GAD65-Positivität.

Quelle: Löfvenborg JE et al. Diabetes Care 2021; 44: 416-424; DOI: 10.2337/dc20-1463

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