Diabetesprävention: Nur leichte Stoffwechselvorteile durch mehr Ballaststoffe

Autor: diabeteszeitung

Zweimal täglich gab es das Trinksupplement. Erfolgreich? Zweimal täglich gab es das Trinksupplement. Erfolgreich? © KaterynaNovikova – stock.adobe.com; iStock/elpomenem

Sind unlösliche Ballaststoffe der Schlüssel zur Prävention von Typ-2-Diabetes? Zu dieser Frage wurde erstmals eine kontrollierte Studie durchgeführt – mit ernüchternden Ergebnissen.

Viele unlösliche Ballaststoffe zu sich zu nehmen, wird häufig empfohlen – aber warum? „Das beruht auf Beobachtungen und epidemiologischen Studien, die über viele Jahre hin gemacht wurden, hat aber keine valide Datengrundlage“, erklärte Dr. Stefan Kabisch, Arbeitsgruppe für Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Bislang fehlten Daten aus langen interventionellen Studien. Vor diesem Hintergrund wurde mit der Studie OptiFiT (Optimal Fibre Trial for Diabetes Prevention) erstmals eine randomisierte kontrollierte Studie zu der Frage durchgeführt, ob unlösliche Ballaststoffe zur Diabetes­prävention geeignet sind.1

Hierzu wurden insgesamt 180 Personen mit gestörter Glukosetoleranz rekrutiert, die für ein Jahr eine Ernährungsberatung gemäß dem PREDIAS-Konzept erhielten und randomisiert für die Dauer von zwei Jahren zweimal täglich ein Trinksupplement mit oder ohne unlösliche Ballaststoffe einnahmen.

Stoffwechselverbesserungen in beiden Gruppen beobachtet

Die Hauptziele der Studie – eine signifikante Verringerung der Diabetesinzidenz und eine signifikante Verbesserung der Zwei-Stunden-Glukosewerte im oralen Glukosetoleranztest (oGTT) – wurden nicht erreicht. In beiden Studiengruppen war nach zwölf Monaten das oGTT-Ergebnis signifikant geringer: Mit Ballaststoffgabe war der Wert um 0,78 mmol/l gesunken, ohne Ballaststoffe um 0,46 mmol/l, wobei der Unterschied zwischen den Gruppen nicht signifikant war. Allerdings war die Differenz bei weiblichen Teilnehmern ausgeprägter und statistisch signifikant.

Auch in Bezug auf die Neuerkrankungsrate ergab sich kein signifikanter Unterschied durch die Intervention: In der Gruppe, die die unlöslichen Ballaststoffe zu sich genommen hatte, erkrankten neun von 89 Teilnehmern an Diabetes Typ 2, in der Placebogruppe waren es 16 von 91 Teilnehmern.

In die Tiefe gehen

Die Daten der OptiFit-Studie sollen nun weiter analysiert werden, so die Forscher. Von Interesse ist dabei der Effekt der tatsächlichen Ballaststoffaufnahme, außerdem wollen die Wissenschaftler Subgruppen identifizieren, die besonders von der Ballaststoffgabe profitiert haben. Der Faktor Mitwirkung der Teilnehmer soll auch weiter untersucht werden.

Statistisch signifikant war allerdings der Unterschied mit Blick auf den HbA1c-Wert: Dieser blieb in der Interventionsgruppe konstant, stieg jedoch in der Kontrollgruppe um 0,1 Prozentpunkte. „Die Stoffwechselverbesserungen der Placebogruppe sind vor allem auf eine Gewichtsreduktion zurückzuführen, also einen Effekt der Ernährungsberatung“, erklärte Dr. Kabisch. „Die Daten zeigen aber auch, dass die Lebensstilumstellung zwar viele Lifestylefaktoren, aber kaum die Ballaststoffzufuhr verbessert. Dennoch erlangten in zwei Jahren 53 von 180 Studienteilnehmern wieder eine normale Glukosetoleranz.“

Quellen:
1 Kabisch S et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2019; 14: 32-33; DOI: 10.1055/s-0039-1688200
4. Deutschen Hormonwoche der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)