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Schwache Hand, schwaches Herz: Kardiovaskuläre Gefahr lässt sich messen

Autor: Dr. Dorothea Ranft

5 kg mehr Kraft in der Hand bedeuten eine 19 % geringere Insuffizienzgefahr. 5 kg mehr Kraft in der Hand bedeuten eine 19 % geringere Insuffizienzgefahr. © Microgen – stock.adobe.com
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Mit einem einfachen Händedruck können Sie einschätzen, ob Ihr Patient ein erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko trägt. Mangelnde Griffstärke signalisiert drohende Pumpschwäche.

Die Analyse der schottischen Wissenschaftler basiert auf der britischen Biobank-Kohorte, einer populationsbasierten Langzeitstudie mit über 500 000 Teilnehmern. Neben der Griffstärke wurde noch ein weiterer Risikofaktor erhoben, die mangelnde kardiovaskuläre Fitness. Der Stellenwert der Griffstärke wurde anhand von 374 000 Probanden ermittelt, die Bedeutung der kardiorespiratorischen Fitness (CRF) bei 57 000 Personen.

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von vier Jahren entwickelten fast 700 Personen eine Herzinsuffizienz, schreiben Dr. Anne Sillars und Kollegen von der Universität Glasgow. Dabei zeigte sich sowohl eine Assoziation zwischen dem Auftreten einer kardialen Pumpschwäche mit der kardiorespiratorischen Fitness als auch mit der Griffstärke der Patienten. Eine Kausalität ließ sich nicht feststellen. Dieser Effekt zeigte sich besonders deutlich, wenn man die Ergebnisse der Teilnehmer in Quartile aufteilte.

Bei beiden Risikomarkern war die Inzidenz der kardialen Insuffizienz in den obersten Quartilen niedriger als im ersten. Die höhere CRF ging pro metabolisches Äquivalent mit einer Reduktion des Herzrisikos um 18 % einher. Referenzpunkt war jeweils der Wert der niedrigsten Quartile. Ein starker Händedruck senkte pro 5 kg Kraftzunahme die Insuffizienzgefahr um 19 %.

Im Falle einer Herzinsuffizienz ist es wichtig, jene Risikopatienten zu identifizieren, die von einer frühzeitigen Intervention profitieren. Um diese Patienten zu selektieren, braucht man verlässliche Marker. Die Griffstärke als Surrogat für Muskelkraft und -funktion hat den Vorteil, dass sie sich jederzeit einfach und reproduzierbar messen lässt. Die CRF ist dagegen zwar genauer, aber nicht so einfach zu erfassen, was die Verwendung als Screeningmarker einschränkt.

Mit Krafttraining für die Muskelstärke und Ausdauertraining für die CRF könnten die vorselektierten handschwachen Patienten eine aktive Prävention betreiben. Dabei scheint ein höherer CRF-Wert das über die Griffstärke ermittelte Risiko abzuschwächen.

Quelle: Sillars A et al. Mayo Clin Proc 2019; 94: 2230-2240; DOI: https://doi.org/10.1016/j.mayocp.2019.04.041

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