Essstörung bei Sportlern Selbst erfahrene Trainer haben Nachholbedarf

Autor: Annette Kanis

Coaches empfahlen den fiktiven Sportlern häufiger als Laien, sich professionelle Hilfe zu suchen – allerdings nur bei Anorexie. Coaches empfahlen den fiktiven Sportlern häufiger als Laien, sich professionelle Hilfe zu suchen – allerdings nur bei Anorexie. © momius – stock.adobe.com

Leichtathletiktrainer bemerken Essstörungen bei Sportlern nicht besser als Laien. Sie empfehlen aber eher eine professionelle Behandlung, wenn sie entsprechende Symptome wahrnehmen. Das berichtet ein internationales Forscherteam um ­Margaret ­Macpherson von der University of Western Australia.

An der Studie nahmen 185 zertifizierte Trainer aus Schottland und Irland teil. Die Kontrollgruppe waren 105 Studierende ohne Coaching-Erfahrung. Alle Teilnehmer erhielten zwei Beschreibungen fiktiver Athleten, die Anzeichen von Bulimia nervosa bzw. Anorexia nervosa aufwiesen.

Grundsätzlich unterschieden sich die Trainer und die Kontrollgruppe nicht in ihrem Wissen über psychische Gesundheit, wie ein Fragebogen ergab. Auch bei der Identifizierung einer möglichen Essstörung waren beide Gruppen gleich erfolgreich: Im Fallbeispiel mit Magersucht bemerkten zwei Drittel aller Teilnehmer ein Problem, bei Bulimie waren es 45 Prozent. Bei Anorexie gelang es den Teilnehmern zudem häufiger, die genaue Störung zu benennen. Insgesamt wurden Essstörungen sowohl bei Frauen als auch von Frauen besser erkannt.

Coaches empfahlen den fiktiven Sportlern häufiger als Laien, sich professionelle Hilfe zu suchen – allerdings nur bei Anorexie. Je länger die Trainer schon ihrer Tätigkeit nachgingen, desto wahrscheinlicher gaben sie diese Empfehlung.

In beiden Fallbeispielen gab es außerdem Hinweise auf einen relativen Energiemangel: eine hohe Trainingsintensität bei gleichzeitig stark gezügelter Ernährung sowie bereits bestehenden Fußschmerzen. Dieses Problem wurde von fast keinem Teilnehmer korrekt identifiziert. Trainer müssten für diese Themen daher stärker sensibilisiert werden, fordern die ­Autoren. 

Quellen:
Macpherson MC et al. BMJ Open Sport Exerc Med 2022; 8: e001333; DOI: 10.1136/bmjsem-2022-001333