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Senkt eine antihypertensive Therapie das Demenzrisiko?

Autor: Dr. Daniela Erhard

Mit dem Blutdruck sinkt auch das Risiko einer Demenz. Mit dem Blutdruck sinkt auch das Risiko einer Demenz. © Oleksandr – stock.adobe.com
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Den Blutdruck medikamentös auf niedrigem Niveau zu halten, tut offenbar nicht nur dem Herzen gut. Auch das Oberstübchen scheint zu profitieren.

Bluthochdruck kann auf Dauer die Kognition beeinträchtigen und Demenz fördern. Eine antihypertensive Therapie sollte diesen Folgen also vorbeugen. Wirklich belegt war dies aber bisher nicht. Forscher haben daher die Publikationen bis Ende 2019 systematisch nach aussagekräftigen Daten zu dem Thema durchforstet und in einer Metaanalyse den Effekt einer Blutdrucksenkung auf die geistige Fitness untersucht.

Die Autoren um Dr. Diarmaid­ Hughes­ vom Galway University Hospital in Irland ermittelten 14 randomisiert-kontrollierte Studien, in denen Hypertoniepatienten mit und ohne medikamentöse Blutdrucksenkung verglichen worden waren. Als Outcome dienten unter anderem Demenz, kognitive Beeinträchtigungen und geistiger Abbau. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler Daten von mehr als 96 000 Personen, die im Mittel 69 Jahre alt waren.

Über die mittlere Beobachtungszeit von etwas mehr als vier Jahren entwickelten im Durchschnitt 7 % der behandelten Patienten eine Demenz oder milde kognitive Beeinträchtigung – gegenüber 7,5 % in der Kontrollgruppe. In Studien, die den geis­tigen Abbau dokumentierten, traten mit Blutdrucksenkung bei jedem Fünften Defizite auf, ohne Therapie lag die Quote etwas höher bei 21 %. Laut eingehender Analyse senkte die Blutdruckkontrolle die Wahrscheinlichkeit für die genannten Einschränkungen signifikant – um jeweils 7 %. Das dürfte hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung eine relevante Größe darstellen.

Der zur Prävention ideale RR ist noch unbekannt

Beim geistigen Abbau fiel der positive Effekt in der Hälfte der Studien stärker aus, in welcher der Blutdruck gegenüber den Kontrollgruppen am deutlichsten gesenkt worden war. Welcher Wert optimal für eine Demenzprävention wäre, bleibt nach Angaben der Autoren allerdings offen­. Zu klären wäre auch, wie sich eine antihypertensive Therapie auf längere Sicht auswirkt. Denn neurokognitive Effekte zeigen sich häufig erst nach über zehn Jahren­.

Quelle: Hughes D et al. JAMA 2020; 323: 1934-1944; DOI: 10.1001/jama.2020.4249

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