Sollten Tattooträger MRT-Geräte meiden?

Autor: Michael Brendler

Weder die Art der Farbe, noch das Herkunftsland des Tattoos beeinflussten das Ergebnis. © iStock.com/da-kuk

Tattoofarben können Metalle enthalten. Immer wieder werden Radiologen durch Fallberichte über unangenehme Hautnebenwirkungen im MRT alarmiert. Wissenschaftler haben nun untersucht, wie groß die Gefahr ist.

Ganz vorsichtig sind Dr. Martina­ F. Callaghan vom Wellcome Department of Imaging Neuroscience am University College London und ihre Kollegen an die Sache herangegangen: Nicht mehr als 5 % der Körperoberfläche der Probanden, die ins MRT sollten, durfte Gravuren tragen, auch Kopf, Nacken und Genitale mussten von den Bildern ausgespart sein. Da sie ihre Hypothese überprüfen wollten, ob sich Tattoofarben nicht mit den starken Magnetfeldern von 3-Tesla Kernspintomographen vertragen, schien es besser, die potenziellen Nebenwirkungen klein zu halten. Zwischen 2011 und 2017 nahmen insgesamt 330 verzierte Personen zwischen 18 und 66 Jahren an der Studie teil.

Prickeln, Ziehen und Wärmegefühl

Nach der Bildgebung sollten sie den Wissenschaftlern Bericht erstatten, ob und wie sich ihre Tattoos während des Scans bemerkbar gemacht hatten. Letztendlich konnten nur bei einem einzigen Probanden Auffälligkeiten festgestellt werden. In der Röhre verspürte er in der Region um eines seiner Hautgemälde ein Ziehen und Wärmegefühl – die Untersuchung im Kernspintomographen wurde abgebrochen. Ein zweiter Teilnehmer meinte, zu Beginn ein Prickeln wahrgenommen zu haben. Diese Empfindung hat sich jedoch als eine Art Nocebo-Effekt herausgestellt.

Die anhand der Daten berechnete Wahrscheinlichkeit, als Tattoo-Träger während einer MRT-Untersuchung in Schwierigkeiten zu geraten, liegt bei 0,17 % – zumindest unter derartigen Studien-Bedingungen, schreiben die Autoren. Damit sei das Risiko als niedrig einzustufen. Größe, dominierende Farbe und Herkunftsland des Tattoos schienen auch keinen Einfluss auf die Reaktivität im MRT zu haben. 

Quelle: Callaghan MF et al. N Engl J Med. 2019; 380: 495-496