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Typ-1-Diabetiker mit Do-it-yourself-Systemen stellen ihr Wissen als Open Source zur Verfügung

Autor: Maria Weiß

In einer ersten Datenauswertung konnte gezeigt werden, dass durch das Loopen der mittlere HbA1c-Wert um 0,9 % sinkt. In einer ersten Datenauswertung konnte gezeigt werden, dass durch das Loopen der mittlere HbA1c-Wert um 0,9 % sinkt. © iStock/simpson33
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Diabetes ist ein 24-Stunden-Job, der dem Patienten einiges an Denk- und Rechenleistung abverlangt. Ein sogenannter Closed-Loop kann Betroffenen einen großen Teil dieser Arbeit abnehmen.

Unter Closed-Loop versteht man einen Algorithmus, der Glukosesensor und Insulinpumpe verbindet und Patienten mit Typ-1-Diabetes die zahlreichen täglichen Therapieentscheidungen abnimmt. Verschiedene Systeme sind in Entwicklung oder zum Teil schon kommerziell erhältlich. Für viele Patienten mit Typ-1-Diabetes ist der Closed-Loop aber nichts Neues: Sie wenden entsprechende Do-it-yourself-Systeme bereits seit Jahren an, berichtete Dr. Katarina Braune von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Das Projekt wird von der EU gefördert

Ihr Wissen und ihre Erfahrungen stellen die Anwender (oder ihre Eltern) als Open Source für jedermann zu Verfügung. Benötigt werden neben CGM*-System und Insulinpumpe eine App auf dem Smartphone und ein Kommunikationsdevice, das nach Auswertung der Messwerte den Kontakt zur Insulinpumpe herstellt. Die technischen Fähigkeiten der Patienten sollte man nicht unterschätzen. Weltweit gibt es etwa 10 000 Anwender solcher „Open Source Artifical Pancreas“-Systeme, und man kann auf über 25 Millionen Stunden klinischer Erfahrung in der praktischen Anwendung zurückblicken.

Das von der EU und zahlreichen internationalen Universitäten und Einrichtungen unterstützte Projekt „OPEN“ hat es sich zum Ziel gemacht, die erfahrungsbasierte Evidenz von Patienten aus der Diabetes-Community in validierte wissenschaftliche Daten zu übersetzen, die auch von der Forschung und Industrie verstanden werden, sagte Dr. Braune. Neben der Analyse gespendeter Daten und dem Aufbau eines internationalen Netzwerks gehört auch ein internationaler Konsensus von und für Ärzte und Diabetesteams zu den ersten Aufgaben. Etwa die Hälfte der Beteiligten „loopen“ als Typ-1-Diabetiker selbst.

In einer ersten Datenauswertung konnte gezeigt werden, dass durch das Loopen der mittlere HbA1c-Wert um 0,9 % sinkt (n = 310) und die Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR) um 17,4 % zunimmt (n = 365). Frauen, Männer, Kinder und Ältere profitieren gleichermaßen.

* kontinuierliche Blutzuckermessung Mehr Informationen über das Projekt findet man unter open-diabetes.eu

Quelle: 64. Deutscher Kongress für Endokrinologie (Online-Veranstaltung)

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