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Übergewicht und Krebs – Sättigungshormon Leptin löst Kaskade aus, die Metastasen fördert

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Je höher der Fettanteil am Körper, desto mehr Leptin findet sich auch im Körper. Je höher der Fettanteil am Körper, desto mehr Leptin findet sich auch im Körper. © iStock/theasis
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Starkes Übergewicht kann die Prognose von Patientinnen mit Brustkrebs beeinflussen. Forscher aus München gingen nun dem Mechanismus dahinter auf den Grund. Das Hormon Leptin, das von Fettgewebe produziert wird, und das Enzym ACC1 spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Experten prognostizieren, dass bis zum Jahr 2045 weltweit rund 693 Millionen Menschen an Diabetes erkranken. Diese Steigerung hänge maßgeblich mit der Häufigkeit von Übergewicht und Fettleibigkeit zusammen, berichtete Dr. Maurici­o Berriel­ ­Diaz vom Helmholtz Zentrum München.1

Übergewicht stellt bekanntermaßen einen Risikofaktor für Tumoren dar. Unabhängig vom BMI ist zudem Diabetes mit verschiedenen Krebsarten assoziiert. „Studien legen nahe, dass Diabetes mit einer besonderen Aggressivität von Tumoren und Progression zusammenhängt“, sagte der Referent. Dabei können verschiedene Komponenten von Stoffwechselerkrankungen wie Adipokine, chronische Entzündungsreaktionen und Wachstumsfaktoren zum Krebsrisiko beitragen.

Leptin beeinflusst das lipogenetische Enzym ACC1

Weitere Studien deuten darauf hin, dass Fettleibigkeit das Überleben von Brustkrebspatientinnen verkürzt. Frauen mit einem BMI von mindestens 30 kg/m2 haben eine höhere Mortalität, die wiederum mit dem Auftreten von Metastasen zusammenhängt, erläuterte der Experte. Je mehr Fettmasse vorliegt, desto höher ist der Spiegel an zirkulierendem Leptin – einem durch Fettgewebe gebildeten Hormon.

Um diesen Mechanismus genauer zu untersuchen, implantierten Dr. Diaz und sein Team aggressive Krebszellen in Mäuse, die daraufhin Mikrometastasen in der Lunge entwickelten.2 Schalteten die Forscher aber zuvor den Leptinrezeptor aus, so bildeten die Tiere weniger Absiedlungen. Die Wissenschaftler untersuchten daraufhin die Auswirkung von Leptin auf die Zellen und stellten fest, dass das Hormon das lipogenetische Enzym ACC1* beeinflusst.

Weitere Daten deuteten darauf hin, dass eine ACC-Inhibition die durch Leptin- und auch durch TGFß** vermittelte epithelial-mesenchymale Transition fördert. Das bestätigte sich im Tiermodell: Mäuse mit abgeschaltetem ACC1 bildeten vermehrt Tochtertumoren.

Mechanismus auch in Lungenkrebs gefunden

Zudem war die inaktive Form in Brustkrebs und Metastasen laut Dr. Diaz im Vergleich zu gesundem Gewebe erhöht. Die Forscher wiesen diesen Mechanismus auch in Lungen­tumoren nach.

Zusammengefasst lässt sich folgende Hypothese ableiten: Leptin und TGFß inhibieren ACC1 in Brustkrebs. Dadurch kommt es zu erhöhten Acetyl-CoA-Spiegeln, einer vermehrten Acetylierung von Schlüsselproteinen und einer epithelial-mesenchymalen Transition. Wird die Leptin/TGFß/ACC-Achse inhibiert, wirkt das einer Metastasierung entgegen, so Dr.­ Diaz.

* Acetyl-CoA Carboxylase 1
**Transforming growth factor ß

1. Diaz MB. Diabetes Kongress 2021 (virtuell); ­Session: Komplikationen – eine neue Ära
2. Garcia MR et al. Cell Metab. 2017; 26: 842-855.e5; DOI: 10.1016/j.cmet.2017.09.018

Quelle: Diabetes Kongress 2021 (virtuell)

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