Übergewicht vermeiden ist die beste Krebsprävention

Autor: Dr. Susanne Gallus

Mehr Bewegung sowie eine langfristige Ernährungsumstellung lassen die Kilos schwinden und beugen dadurch gleichzeitig einer Krebserkrankung vor. © iStock/kali9

Adipositas macht nicht nur Diabetes und Arteriosklerose wahrscheinlicher. Starkes Übergewicht treibt auch das Risiko für gastrointestinale Karzinome in die Höhe. Also runter mit dem Fett!

Der durch die Adipositas erhöhte intraabdominelle Druck hat die gleichen Konsequenzen wie ein enger Gürtel um den Magen. Die Folge: Reflux. Dadurch haben Adipöse nicht nur mit gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und Barrett-Syndrom zu kämpfen, ihnen drohen auch maligne Krebserkrankungen in Speiseröhre und Magen, erinnerte Professor Dr. Joachim Labenz vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Gerade bei zentraler (viszeraler) Adipositas lasse sich für gastrointestinale Begleiterkrankungen eine Art kausale „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ erkennen, berichtete er.

Das dicke Ende
Erkrankungrelative Risikoerhöhung durch Adipositas
gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)94 %
erosive Ösophagitis 87 %
Barrett-Ösophagus300 %
Adenokarzinom-Ösophagus110 % (Frauen) und 140 % (Männer)
erosive Gastritis123 % (nur epidemiologische Daten)
Magenkarzinom55 % (nur epidemiologische Daten)
kolorektales Karzinomum 12 % pro Jahr bei einem BMI > 30
duktales Adenokarzinom des Pankreas34 % oder 10 % pro BMI-Steigerung um 5 Punkte

Abspecken hilft gegen Reflux, aber nicht gegen Barrett

Die reine GERD könnten viele Patienten durch Abnehmen wieder loswerden. Verringert sich der BMI um mehr als 3,5 Punkte, stehen die Heilungschancen laut Prof. Labenz gut (Odds Ratio 1,5–2,4). Mit der Gewichtsminderung verbessert sich einerseits die Wirkung der Protonenpumpenhemmer. Andererseits bewirkt der reduzierte Taillenumfang, dass die Säurebelastung des Ösophagus abnimmt. Ist allerdings der Barrett-Ösophagus erst einmal vorhanden, wird die Metaplasie durch eine Diät nicht einfach wieder verschwinden, warnte der Experte. Es muss also präventiv gehandelt werden.

Bei der Gewichtsreduktion stehen Sport und Ernährung an erster Stelle, betonte sein Kollege Professor Dr. Ralf Kiesslich, Ärztlicher Direktor der Helios HSK in Wiesbaden. Weltweit betrachtet liegen selbst die Russen und Chinesen, die sich im Vergleich am meisten bewegen – im Durchschnitt etwa 6880 Schritte pro Tag – im eigentlich physisch inaktiven Bereich. „Raten Sie Ihrem Patienten, er soll sich einen Schrittzähler kaufen, dann läuft er im Schnitt schon mal 2435 Schritte mehr pro Tag“, lautete seine Empfehlung.

„Jede Diät, die kürzer ist als zwölf Monate, greift nicht“

Langfristig ist auch die nachhaltige Umstellung der Essgewohnheiten wichtig. Das Mikrobiom hat einen entscheidenden Einfluss auf das Körpergewicht. Es dauerhaft umzuprogrammieren dauert mindestens zwölf Monate. „Jede Diät, die kürzer ist, greift nicht“, gab der Experte aus Wiesbaden zu bedenken. Oder der Patient hat mit Jojo-Effekten zu kämpfen. Zusätzlich sollte man bei Adipösen auch das oft erhöhte Magen-Nüchternvolumen beachten: Pro 50 ml mehr brauchen sie zusätzliche 114 kcal, um satt zu werden.

Übergewicht steht auch in Zusammenhang mit Darm-, Pankreas- und Leberkrebs, fügte Professor Dr. Julia Mayerle vom Klinikum der Universität München hinzu. Das zeigten Studien, die weltweit die Inzidenz gastrointestinaler Tumoren und die Adipositas-Prävalenz in Relation gesetzt hatten.

Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht geklärt, allerdings könnten veränderte Insulinsekretion, Ausschüttung von proinflammatorischen Zytokinen und Sexualhormonen durch Adipozyten und ein verändertes Mikrobiom in Mund und Darm zur Krebsentstehung beitragen. Für Prof. Mayerle steht fest: Trifft dies zu, sind nur Maßnahmen, die der Adipositas vorbeugen, die geeignete Option.

Quelle: 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin