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Verdacht auf Prostatavergrößerung: acht unverzichtbare Untersuchungen

Autor: Maria Weiß

Zu den unverzichtbaren Untersuchungen gehört in jedem Fall auch die rektale Palpation der Prostata. Zu den unverzichtbaren Untersuchungen gehört in jedem Fall auch die rektale Palpation der Prostata. © iStock/TerryJ
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Wenn sich ältere Herren mit Miktionsproblemen bei Ihnen vorstellen, ist es mit dem Griff zum Rezeptblock nicht getan. Eine Basisdiagnostik ist gefragt, die in Teilen durchaus in der Hausarztpraxis erfolgen kann.

Leiden Männer unter Symptomen des unteren Harntrakts – dazu gehören Nykturie, schwacher Urinstrahl, hohe Miktionsfrequenz, Tröpfeln oder Inkontinenz – liegt nicht immer eine vergrößerte Prostata oder eine Blasenentleerungsstörung vor. Und selbst bei einem benignen Prostatasyndrom (BPS) besteht keine Korrelation zwischen den Symptomen und der Prostatagröße, betonte Privatdozent Dr. Claudius Füllhase von der Klinik für Urologie und Kinderurologie an der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar. Als Basisdiagnostik empfiehlt der Urologe folgende acht Maßnahmen:

Ausführliche Anamnese

Die Krankengeschichte gibt Hinweise auf mögliche andere Ursachen der Beschwerden. Dabei sollte auch nach Medikamenten gefragt werden.

IPSS

Der International Prostate Symptom Score (IPSS) ist ein standardisierter Fragebogen zur Quantifizierung der Symptome. Er hilft dabei, die Beschwerden objektiv zu erfassen.

Inspektion und körperliche Untersuchung

Dazu gehört in jedem Fall auch die rektale Palpation der Prostata und die Inspektion der Genitalien.

Urinstatus

Die Untersuchung dient vor allem dem Ausschluss möglicher Differenzialdiagnosen wie etwa Harnwegsinfektionen. Bei einer Hämaturie ist in jedem Fall eine erweiterte Diagnostik erforderlich.

Laboruntersuchungen

Im Vordergrund stehen vor allem Kreatinin und PSA. Der Kreatininwert zeigt zwar keine direkte Korrelation mit dem IPSS oder dem Prostatavolumen. Auf der anderen Seite weisen aber 10–13 % der BPS-Patienten deutlich erhöhte Kreatininwerte auf. Nicht vergessen werden darf, dass 2–3 % aller Fälle von Nierenversagen durch das BPS bedingt sind.

Alle über 45-Jährigen über PSA-Screening informieren

Der PSA-Wert dient zum einen der Abgrenzung gegenüber einem Prostatakarzinom. Laut Leitlinie sollten alle Männer über 45 Jahre mit einer mindestens 10-jährigen Lebenserwartung aktiv über diese Möglichkeit der Früherkennung informiert und über Vor- und Nachteile dieser Laboruntersuchung aufgeklärt werden. Aber auch eine Abschätzung des Progressionsrisikos des BPS ist möglich: Patienten mit einem Serum-PSA-Anstieg um 5 ng/ml haben ein deutlich erhöhtes Progressionsrisiko für das BPS.

Nieren- und Blasensonographie

Mit der Nierensonographie soll vor allem eine Hydronephrose als Komplikation des BPS ausgeschlossen werden. Bei der Sonographie der Blase geht es darum, Tumoren, Blasensteine oder Divertikel als mögliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Obligat ist hierbei auch die Bestimmung des Restharns, der ebenfalls als Progressionsmarker für das BPS herangezogen werden kann.

Transrektale Prostatasonographie

Die Prostatasonographie zur Bestimmung der Prostatagröße sollte grundsätzlich transrektal erfolgen, betonte der Urologe. Beim transvesikalen Ultraschall wird die Prostatagröße sehr häufig überschätzt.

Uroflowmetrie

Mit der Harnflussmessung bekommt man einen Hinweis auf eine Blasenentleerungsstörung. Allerdings schließt ein normaler Abfluss die Obstruktion nicht aus. Für das Therapiemonitoring ist die Methode ebenfalls gut geeignet.

Letztendlich geht es bei sämtlichen Basisuntersuchungen auch darum, absolute Indikationen für eine Operation beim BPS zu erkennen, sagte Dr. Füllhase. Dazu gehören:

  • rezidivierende Harnverhalte
  • rezidivierende Harnwegsinfektionen
  • konservativ nicht beherrschbare, rezidivierende Makrohämaturien
  • Harnblasenkonkremente
  • Dilatation des oberen Harntrakts und eingeschränkte Nierenfunktion

Zurzeit ist noch umstritten, ob nicht auch Miktionsprotokolle und die sonographische Bestimmung der Detrusordicke Teil der BPS-Basisdiagnostik sein sollten. Urodynamische Untersuchung sowie Urographie, Urethrozystogramm und Endoskopie sind speziellen Fragestellungen vorbehalten.

Quelle: 70. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie

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