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Herztransplantation Was hat die moderne Insuffizienztherapie verändert?

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Das Profil der Empfänger eines Spenderherzens hat sich durch neue Therapien kaum gewandelt.
Das Profil der Empfänger eines Spenderherzens hat sich durch neue Therapien kaum gewandelt. © iStock/angelhell
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In der Therapie der Herzinsuffizienz gab es in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte. Hat das etwas am Profil von Patienten, die eine Herztransplantation erhalten, verändert? Dieser Frage gingen Kollegen aus der Schweiz nach.

An den Kriterien für eine Herztransplantation hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert, wohl aber an der Herzinsuffizienztherapie. Ob sich dadurch ein Wandel im Empfängerprofil oder im postoperativen Überleben ergab, prüften Anouck Zurbuchen von der Kardiologie der Universitätsklinik in Lausanne und Kollegen. Sie nahmen in ihre Studie 323 Patienten (328 Transplantationen) auf, die zwischen 1987 und 2018 ein neues Herz erhalten hatten. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt:

  • Periode 1 (1987–1998), Verfügbarkeit von Renin-Angiotensin-Blockern und Diuretika 
  • Periode 2 (1999–2010), Einführung von Betablockern und Mineralokortikoidrezeptorantagonisten bei schwerer Insuffizienz
  • Periode 3 (2011–2018), Einsatz ventrikulärer Unterstützungssys­teme zum Bridging bis zur OP

Hinsichtlich kardiovaskulärer Risikofaktoren gab es Aufälligkeiten nur bei der Hypertonie. Sie betraf in Periode 2 weniger Patienten als in Periode 1 und 3 (28 % vs. 44 % vs. 43 %). Eine ischämische Kardio­myo­pathie beobachtete man häufiger im ersten und dritten Zeitabschnitt als im zweiten, eine dilatative nicht-ischämi­sche lag dagegen öfter in Periode 2 vor. Insgesamt führten die therapeutischen Neue­rungen nicht wirklich zu gravierenden Unterschieden präoperativer Charakteristika, konstatieren die Autoren. Das spricht dafür, dass sich die zentralen Kriterien für die Listung zur Transplantation weiterhin dafür eignen, Herzinsuffiziente im Endstadium zu identifizieren.

Es überraschte die Kollegen allerdings, dass sich das media­ne Alter in den drei Perioden kaum unterschied (ca. 53 Jahre), wo doch heutige medikamentöse Therapien nicht nur das Überleben verlängern, sondern auch die Progression der Symptome verzögern.

Die postoperative Ein-Jahres-Überlebensrate war in Periode 3 am höchsten (93,0 % vs. 70,8 % [2] bzw. 87,2 %[1]). Eine Assoziation zwischen Überleben und demographischen, klinischen oder biologischen Parametern gab es nicht. Daher gehen die Kollegen davon aus, dass die Implementierung eines multidisziplinären Teams zur Betreuung von Aspiranten in der Uniklinik ­Lausanne im Jahr 2010 für das bessere Outcome verantwortlich ist. Die Gesamtmortalität nach einem Jahr unterschied sich nicht – auch das ein Zeichen dafür, dass die Auswahlkriterien immer noch stimmen.

Quelle: Zurbuchen A et al. Swiss Med Wkly 2022; 152:w30108; DOI:10.4414/SMW.2022.w30108

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