Weniger Makroangiopathien nach bariatrischer Chirurgie

Autor: Ulrike Viegener

Nach bariatrischer OP kam es u.a. seltener zu einem Myokardinfarkt im Vergleich zur Kontrollgruppe. © fotolia/Kateryna_Kon

Laut einer US-amerikanischen Beobachtungsstudie scheint die bariatrische Chirurgie geeignet, die kardiovaskuläre Morbidität von stark übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes zu reduzieren.

Die bariatrische Chirurgie der Typ-2-Diabetespatienten zielt letztlich auf die Prävention von Folgeerkrankungen ab. Randomisierte Studien haben gezeigt, dass sich das kardiovaskuläre Risikoprofil durch die OP in dieser Patientengruppe effektiver und nachhaltiger korrigieren lässt als durch eine medikamentös unterstützte Lebensstilmodifikation. Häufig lassen sich Medikamente zur Behandlung von Hyperglykämie, Hypertonie und Dyslipoproteinämien infolge der OP reduzieren. Vor diesem Hintergrund sollte in einer aktuellen retrospektiven Beobachtungsstudie überprüft werden, inwieweit sich der günstige Einfluss auf kardiovaskuläre Risikofaktoren tatsächlich in einer geringeren Morbidität niederschlägt.

Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen

Dazu wurden die Krankengeschichten von 5301 adipösen Typ-2-Diabetespatienten, die sich in den USA zwischen 2005 und 2011 einer bariatrischen OP unterzogen hatten, mit Blick auf koronare und zerebrovaskuläre Ereignisse bis September 2015 analysiert. Der BMI lag vor der OP bei 35 kg/m² und mehr (im Mittel 44,7 kg/m²). Das Alter der Patienten reichte von 19–79 Jahren (mittleres Alter 50 Jahre). 76 % der Patienten erhielten einen Roux-en-Y-Magenbypass, bei 17 % wurde eine „sleeve gastrectomy“ durchgeführt und 7 % wurden mit einem anpassbaren Magenband versorgt. Die Studienautoren verglichen das Outcome dieser Patienten mit den Daten von 14 934 gematchten Personen mit Typ-2-Diabetes, die sich einer konservativen Therapie unterzogen hatten.

Innerhalb des im Mittel knapp fünfjährigen Beobachtungszeitraums traten bei den bariatrisch operierten Patienten 106 makroangiopathie-bedingte Ereignisse (78 koronar/37 zerebrovaskulär) auf. In der Kontrollgruppe waren es insgesamt 596 Ereignisse (398 koronar/227 zerebrovaskulär). Die Gesamtinzidenz von Makroangiopathien unterschied sich signifikant zwischen den beiden Gruppen: bei den bariatrisch operierten Patienten betrug sie 2,1 % und bei den Kontrollpatienten 4,3 % (Hazard Ratio [HR]) 0,60). Manifestationen einer koronaren Herzkrankheit traten mit 1,6 % bei den operierten Patienten signifikant seltener als in der Kontrollgruppe auf (2,8 %; HR 0,64). Die Differenz zwischen den beiden Gruppen in puncto zerebrovaskuläre Ereignisse (0,7 vs. 1,7 %) war hingegen statistisch nicht signifikant.

Makrovaskuläre Ereignisse

Folgende Erscheinungsformen einer koronaren bzw. zerebralen Makroangiopathie wurden berücksichtigt, wobei jeweils das erste Ereignis „gezählt“ wurde:

koronar

  • akuter Myokardinfarkt
  • instabile Angina pectoris
  • koronare Stentimplantation
  • koronare Bypass-OP

zerebrovaskulär

  • ischämischer Schlaganfall
  • hämorrhagischer Schlaganfall
  • Karotisstenting
  • Karotisendarterektomie

Die Ergebnisse dieser Studie stehen im Einklang mit dem günstigen Einfluss der bariatrischen Chirurgie auf das kardiovaskuläre Risikoprofil im Sinne des metabolischen Syndroms, schreiben die Studienautoren. Sie räumen ein, dass ihre Studie durch prospektive Daten untermauert werden muss. Trotzdem sprechen sie sich bereits jetzt für eine Aufklärung von Hochrisikopatienten über das vermutete präventive Potenzial der bariatrischen Chirurgie aus.

Quelle: Fisher DP et al. JAMA 2018; 320: 1570-1582