Wer die Komplementärmedizin wählt, stirbt früher

Autor: Tobias Stolzenberg

Über die Hälfte der Patienten lehnten die Bestrahlung ab. © fotolia/Thomas Hecker

Komplementäre Ansätze haben durchaus ihre Berechtigung. Doch viele Krebspatienten verzichten zu ihren Gunsten auf Chemo, Bestrahlung und OP.

Besondere Aufmerksamkeit sollten Krebsmediziner ihren Patienten zukommen lassen, wenn diese sich im Zuge der Behandlung für komplementäre Methoden entscheiden. Zu diesem Schluss kommt ein Team um Dr. Skyler Bryce Johnson­ von der Yale School of Medicine in New Haven, Connecticut. Die Wissenschaftler hatten die Krankengeschichten von 258 Krebspatienten unter komplementärmedizinischer Therapie mit 1032 konventionell behandelten Personen verglichen.

Alle Untersuchten waren an nicht-metastasierendem Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs bzw. einem Kolorektalkarzinom erkrankt. Das Durchschnittsalter betrug 56 Jahre. Zwar starteten auch die Befürworter der Komplementärmedizin im Schnitt binnen eines Monats mit der schulmedizinischen Therapie.

Jeder Dritte lehnte die Chemo ab, die Hälfte die Bestrahlung

Nachfolgende Behandlungen lehnten sie jedoch deutlich häufiger ab als die Kontrollen. So verzichtete rund ein Drittel von ihnen auf eine Chemo (vs. 3,2 % in der Kontrollgruppe) und mehr als die Hälfte auf Bestrahlung (vs. 2,3 %). In der Vergleichsgruppe überlebten auch etwas mehr Patienten die ers­ten fünf Jahren nach Diagnose (86,6 % vs. 82,2 %). Die Wahl der Komplementärmedizin schlug sich in einem doppelt so hohen Sterberisiko nieder.

Quelle: Johnson SB et al. JAMA Oncol 2018; online first