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Wie erfolgreich ist die weltweite Versorgung bei Typ-1-Diabetes?

Autor: Friederike Klein

Die glykämische Kontrolle ist in Westeuropa noch verhältnismäßig gut. Doch es gibt noch Luft nach oben. Die glykämische Kontrolle ist in Westeuropa noch verhältnismäßig gut. Doch es gibt noch Luft nach oben. © Tiko – stock.adobe.com
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Die Querschnittsstudie SAGE untersuchte weltweit, wie erfolgreich die medizinische Versorgung von Patienten mit Typ-1-Diabetes ist. Auch wenn die Bedingungen in Westeuropa noch am besten sind, die Ergebnisse hinsichtlich glyk­ämischer Kontrolle und Hypoglyk­ämien lassen zu wünschen übrig.

Die Studienteilnehmer aus Westeuropa schnitten mit einem mittleren HbA1c von 7,7 % im Vergleich zu anderen Regionen der Welt noch am besten ab, erklärte Professor Dr. Jochen Seufert von der Universitätsklinik Freiburg. Den HbA1c-Zielwert von unter 7 % erreichten aber auch hier nur 27 % der teilnehmenden Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes, also nicht wesentlich mehr als weltweit (24,3 %).

SAGE-Studie

Weltweit nahmen an der SAGE-Studie 3858 Patienten teil, davon in Westeuropa 1150. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag bei 47 Jahren, das mittlere Körpergewicht bei knapp 71 kg und der mittlere BMI bei 25 kg/m². 54,7 % der Studienteilnehmer waren Frauen. Im Mittel waren die Probanden bereits seit 21 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankt.

Mehr als jeder Zweite in Westeuropa hatte zudem ein individuell festgelegtes höheres HbA1c-Ziel: 47,2 % gaben einen Wert von 7,0–7,5 % an, 11,0 % der Teilnehmer auch von 7,5–8,0 %. Diese individuell höheren HbA1c-Werte erreichten von diesen Probanden in Westeuropa aber auch nur 23,9 % der Studienteilnehmer.

Weltweit war der Anteil der Patienten mit individuellen Therapiezielen noch höher, wie Professor Eric M. Renard vom Universitätskrankenhaus in Montpellier, Frankreich, berichtete. 55,9 % der teilnehmenden Menschen mit Typ-1-Diabetes gaben an, einen HbA1c-Zielwert von 7,0–7,5 % zu haben, 12,6 % von 7,5–8,0 %. Diese individuellen Zielwerte erreichten dennoch nur 20,9 % der Patienten.

Nur einem Viertel stehen CGM-Geräte zur Verfügung

Ein deutlicher Unterschied zwischen Europa und dem Rest der Welt war die Art und Häufigkeit der Insulintitration: Während in Westeuropa und Osteuropa sieben von zehn Patienten überwiegend selbst ihre Insulindosis titrieren, wurde in Lateinamerika bei jedem Zweiten die Titration dem Arzt überlassen, im mittleren Osten sogar fast bei drei von vier Patienten – und das dann auch häufig nur einmal im Monat.

Auch hinsichtlich der Technik sind die Bedingungen in Westeuropa deutlich besser als in vielen anderen Regionen der Welt: 46,4 % der Westeuropäer stand eine kontinuierliche Blutzuckermessung (CGM) zur Verfügung, weltweit war das nur bei 23,2 % der Teilnehmer der Fall. Eine Insulinpumpe hatten 43,2 % der erwachsenen Typ-1-Diabetespatienten in Westeuropa, weltweit nur 19,5 %.

Ein Ketonmessgerät stand 28,1 % der Teilnehmer aus Westeuropa zur Verfügung, weltweit war das nur bei 11,1 % der Fall. Trotz der günstigeren Bedingungen sind die Ergebnisse hinsichtlich der Hypoglykämien in Westeuropa aber überhaupt nicht zufriedenstellend, betonte Prof. Seufert. In den letzten sechs Monaten hatten 12,4 % der Teilnehmer eine schwere Hypoglykämie erlebt – keineswegs weniger als weltweit (11,9 %), wie Prof. Seufert betonte. Über eine schwere Hyperglykämie mit Ketoazidose berichteten weltweit 4,2 % der Patienten, in Westeuropa sogar 6,7 %.

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