Wie gewinnen Ärzte gegen Dr. Google?

Autor: Kathrin Strobel

Die Ärzte müssen, ähnlich wie Google und Co. es machen, ihre Kunden durch individuell zugeschnittene Beratungen an sich binden. © iStock/Erikona

Der Arzt als Halbgott in Weiß – dieses Bild mag noch im 20. Jahrhundert gestimmt haben. Heute stellen immer mehr Patienten die ärztliche Kompetenz infrage.

In Zeiten von sozialen Medien und Fake News muss sich der Arzt gegen zahlreiche alternative Informationsquellen durchsetzen. Durch Fachwissen alleine wird er das Vertrauen seiner Patienten aber nicht (zurück)gewinnen, vermuten Dr. Richard­ J. Baron­ vom American Board of Internal Medicine in Philadelphia und Kollege. Dafür seien alternative Wege erforderlich.

Um diese beschreiten zu können, lohnt zunächst der Blick darauf, wie beispielsweise Facebook und Google ihre Kunden an sich binden. Die Konzerne sammeln persönliche Informationen über ihre Nutzer, werten aus, was diese benötigen, und machen ihnen dann ein individuelles, auf sie zugeschnittenes Angebot. Im Gesundheitssystem dagegen fühlen sich Patienten häufig nicht einmal als Individuen wahrgenommen.

Dem Arzt geht es doch nur um eigene Interessen

Zu häufig müssen sie die Eckdaten ihrer Krankheitsgeschichte wiederholen, zu häufig werden sie in der Praxis mit „objektiven“ Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen konfrontiert, die sie nicht mit ihrem persönlichen Leidensweg in Verbindung bringen. Und zu häufig haben sie den Eindruck, dem behandelnden Arzt gehe es nur um die Umsetzung seiner eigenen Interessen, kritisieren die Autoren.

Dabei ist das Gefühl, als Individuum erkannt bzw. anerkannt zu werden, eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Aufbau von Vertrauen. Eine gut geführte Akte und/oder intelligente Informationssysteme helfen dabei.

Eine andere Strategie ist, die Patienten mit Aussagen zu überraschen, die sie von einem Arzt nicht erwarten würden, zum Beispiel Warnungen aussprechen vor unnötigen oder gar schädlichen medizinischen Leistungen ganz im Sinne der Initiative „Klug entscheiden“. Vom Schema F abzurücken und Gewohntes zu hinterfragen, kann sich lohnen, so das Fazit der Kollegen. Vor allem, wenn stattdessen der Weg gewählt wird, der für den Betroffenen am besten ist.

Quelle: Baron RJ, Berinsky AJ. N Engl J Med 2019; 381: 182-185; DOI: 10.1056/NEJMms1813043