Bronchitis und Husten

Definition

Husten ist ein wichtiger Schutzreflex der Atemwege – aber auch ein Symptom fast aller bronchopulmonaler und einiger extrapulmonaler Erkrankungen. Er kann durch entzündliche, chemische (saure, alkalische, hyper-oder hypotone Substanzen) oder physikalische Reizungen (Rauch, Staubpartikel) der Schleimhaut der oberen und unteren Atemwege ausgelöst werden, sowie durch mechanische Veränderungen (Atelektase, Verminderung der Lungen-Compliance) bedingt sein.

 In Europa wird die Prävalenz von Husten in der Altersgruppe der 18- bis 48-Jährigen auf bis zu 33% geschätzt. In bundesdeutschen Hausarzt-Praxen zählt Husten mit zu den häufigsten Beratungsanlässen. Man unterscheidet akuten (bis zu 8 Wochen) und chronischen (> 8 Wochen) Husten.

Häufigste Ursache des akuten Hustens ist eine akute virale Infektion der Atemwege („Erkältung“), bei der der Husten im Schnitt über vier Wochen anhält. Bei Infektionen mit Mykoplasmen und Adenoviren husten die Patienten meist länger (6-8 Wochen). Bei über 40-jährigen Patienten muss vermehrt auch an andere Ursachen gedacht werden (siehe Differenzialdiagnosen).

ICD10-Code:
Bronchitis: J40-J41
Husten: R05

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Symptomatik

Symptomatik (akuter Husten)

Der Husten kann trocken („Reizhusten“) oder produktiv sein. Der Übergang ist aber fließend. Neben dem Husten sollte auf folgende Symptome geachtet werden:

  • Auswurf  
  • Dyspnoe & Stridor
  • Schmerzen (Thorax, Kopf, Ohren, Rachen, Gliedmaßen)
  • Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schnupfen

Außerdem muss auf folgende Alarmsymptome mit möglicher vitaler Bedrohung geachtet werden:

Lungenembolie: Tachykardie, Tachypnoe, Dyspnoe, Thoraxschmerz

Lungenödem: Tachypnoe, Dyspnoe, verschärftes Atemgeräusch, feuchte Rasselgeräusche (RGs)

Status asthmaticus: exspiratorisches Giemen, verlängertes Exspirium, trockene RGs; CAVE: „silent chest“

Pneumothorax: stechender Thoraxschmerz, asymmetrische Thoraxbewegung, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch, hypersonorer Klopfschall

Fremdkörperaspiration (vor allem Kinder und alte Menschen)

Chronsicher Husten

  • Husten (trocken/produktiv)
  • Auswurf
  • Atembeschwerden (Dyspnoe, Giemen)
  • Fieber
  • Kopfschmerzen in Verbindung mit eitrigem Schnupfen
  • Thoraxschmerzen (hustenabhängig oder -unabhängig?)
  • Hyperhidrosis (insbesondere nächtliches Schwitzen)
  • Refluxbeschwerden (Sodbrennen, Aufstoßen), Magenschmerzen
  • Hinweise auf kardiale Insuffizienz (Belastungsdyspnoe, Unterschenkelödeme, Nykturie)
  • Komplizierende Begleitsymptome (Hämoptoe, Gewichtsverlust, Heiserkeit)
  • Ungewollte Gewichtsveränderungen
Untersuchung

Meist reicht eine gute Anamnese für die Diagnosestellung aus. Neben den  Symptomen sollten dabei erfasst werden:

  • chronische Bronchitis oder Rhinosinusitis
  • Allergien
  • Asthma
  • Refluxkrankheit
  • Herzerkrankungen
  • Raucheranamnese
  • berufliche Noxen
  • Medikamente
  • Tierkontakte
  • Infekte im näheren Umfeld

Körperliche Untersuchung:

  • Hustencharakter: trocken, feucht/ produktiv, produktiv-ineffektiv, stakkatoartig usw.
  • Haut: Blässe, Zyanose, Schwitzen
  • Mund/Rachen/Nase: Inspektion, behinderte Nasenatmung, Klopfschmerz über NNH, Pharyngitis, Angina
  • Hals: Lymphknotenstatus
  • Thorax: Inspektion (Einsatz von Atemhilfsmuskulatur)
  • Perkussion, Auskultation, Atemfrequenz
  • Herz: Auskultation
  • Ohren: evtl. Spiegelung
  • Beine: Knöchelödeme, Hinweise auf Thrombose
  • Allgemeinzustand: Vigilanz, Ängstlichkeit
  • Ernährungszustand (vor allem bei chronischem Husten)
Bildgebung
© CDC/ Dr. Fred Murphy; Sylvia Whitfield
Labor

Bei Patienten mit akutem Husten reicht eine gute Anamnese bei 70% der Patienten für die Diagnosestellung aus.

Bei klinischer Diagnose einer akuten unkomplizierten Bronchitis kann auf Laboruntersuchungen, Sputumdiagnostik und Röntgenthorax-Aufnahmen verzichtet werden. Die Indikation zum Thoraxrötgen besteht nur bei bronchopulmonalen Vorerkrankungen mit Verdacht auf Komplikationen wie Pneumonie und bei Verdacht auf Fremdkörperaspiration. Bei Dyspnoe oder Hinweisen auf eine Bronchialobstruktion kann eine Lungenfunktionsprüfung sinnvoll sein.

Bei chronischem Husten:

  • Lungenfunktionstest (Spirometrie) zum Ausschluss von Asthma und COPD
  • Röntgenaufnahme des Thorax zum Ausschluss anderer Erkrankungen (Neoplasien, Tuberkulose)
  • ggf. unspezifische Provokation zum Ausschluss einer bronchialen Hyperreagibilität
  • ggf. gastroösophageale Diagnostik
  • ggf. HNO-ärztliche Abklärung
  • ggf. kardiale Diagnostik
Differenzialdiagnostik

Mögliche Ursachen akuter Husten:

  • Infektionskrankheiten der oberen Atemwege (akute Bronchitis)
  • Asthma und allergische Erkrankungen (z.B. allergische Rhinosinusitis)
  • Fremdkörperaspiration (vor allem bei 1-3-jährigen Kindern)
  • -Inhalative Intoxikation (chemische Unfälle, Rauchvergiftung)
  • postinfektiöser Husten
  • Pneumonie
  • Pleuritis
  • Lungenembolie
  • Pneumothorax
  • kardiale Erkrankungen mit akuter Lungenstauung

Mögliche Ursachen chronischer Husten (> 8 Wochen)

  • COPD
  • Asthma und andere eosinophile Erkrankungen
  • Lungentumoren
  • Erkrankungen der oberen Atemwege
  • Infektionserkrankungen (z.B. Pertussis, Tuberkulose)
  • diffuse Lungenparenchymerkrankungen / Systemerkrankungen mit Lungenbeteiligung
  • inhalative Ereignisse (Aspiration)
  • Bronchiektasen / Bronchomalazie
  • seltene bronchiale Erkrankungen
  • Mukoviszidose

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Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie

Medikamentöse Behandlung akute Bronchitis:

Die akute Bronchitis ist überwiegend viral bedingt und heilt auch ohne spezifische medikamentöse Therapie folgenlos aus. Antibiotika sind in der Regel nicht indiziert. Ausnahme können Patienten mit schweren kardialen oder pulmonalen Vorerkranungen sein, bei denen keine sichere Abgrenzung zur Pneumonie gelingt.

Symptomatische Therapie:

  •  Bei Kopf- und Gliederschmerzen evtl. Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen
  •  Ggf. abschwellende Nasentropfen für maximal eine Woche
  •  Inhalative Beta-Sympathomimetika wie Salbutamol oder Fenoterol über ein bis zwei Wochen bei Hinweisen auf bronchiale Obstruktion
  •  Antitussiva nur in Ausnahmefällen (z.B. . bei nicht-produktivem quälendem Reizhusten und dadurch bedingten Schlafstörungen) und maximal 14 Tage
  •  Expektoranzien (Sekretolytika, Mukolytika) werden nicht empfohlen
  •  Bei entsprechendem Therapiewunsch evtl. Phytopharmaka zur Symptomlinderung (z.B. Myrtol, Thymian, Thymian/Efeu,, Thymian/Primelwurzel)

Medikamentöse Therapie chronische Bronchitis
Symptomatische Therapie:

  • evtl. Expektoranzien zur Erleichterung des Abhustens
  • Antitussiva nur zur kurzfristigen Therapie bei quälendem nächtlichen Reizhusten (Nicht-Codein-haltige Präparate bevorzugen)

Nicht-medikamentöse Therapien:

Akute Bronchitis:

  • Auf ausreichende Trinkmenge achten (aber keine erhöhte Trinkmenge wegen Gefahr von Elektrolytverschiebungen)
  • evtl. Wasserdampfinhalationen
  • Rauchkarenz (aktiv und passiv)
  • auf Infekt- und Ansteckungsprophylaxe hinweisen (Husten in Ellebeuge, Händedesinfektion)

Alle Raucher mit chronischer Bronchitis sollten zur Raucherentwöhnung motiviert werden.

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