Chronischer Husten bei Kindern – nicht immer ein einfacher Infekt!

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Chronischer Husten bei Kindern kann viele Ursachen haben. Chronischer Husten bei Kindern kann viele Ursachen haben. © iStock/YakobchukOlena

Bei Kindern jagt in Herbst und Winter zwar ein Husten oft den anderen. Handelt es sich aber um chronische Beschwerden, steckt keineswegs immer ein banaler Infekt dahinter. Mitunter ist detektivischer Spürsinn gefragt, um die Ursache aufzudecken.

Beim vermeintlichen chronischen Husten eines Kindes ist zunächst zu klären, wie lange die Symptome schon bestehen, ob der Nachwuchs wirklich jeden Tag hustet oder ob beschwerdefreie Intervalle zwischen den Episoden liegen. Als chronisch zu bezeichnen ist ein Husten nämlich erst dann, wenn er länger als vier Wochen andauert, erklärt Privatdozentin Dr. ­Angela ­Zacharasiewicz vom Klinikum ­Ottakring in ­Wien.

Beim Anamnesegespräch mit den Eltern sollte man sich unbedingt nach Warnzeichen erkundigen (s. Tabelle). Außerdem sind folgende Fragen zu klären:

  • Wann ist der Husten erstmals aufgetreten? Hat er plötzlich begonnen oder eher langsam und über mehrere Tage hinweg?
  • Wird er bei Anstrengung stärker? Klingen die Symptome beim Liegen möglicherweise ab?
  • Sind ähnliche Beschwerden früher schon einmal aufgetreten?
  • Ist das Kind möglicherweise Tabak­rauch oder dem Dampf von ­E-Zigaretten ausgesetzt? Wie hoch ist die Luftverschmutzung am Wohnort?

Es folgt die Auskultation von Lunge und Herz. Wie ist das Atemgeräusch, wie klingt der Husten – trocken oder eher feucht? Erscheint das Kind ansonsten gesund, fördert die körperliche Untersuchung nichts Ungewöhnliches zutage und sind keine Warnhinweise zu finden, kann man guten Gewissens zuwarten. Spätes­tens aber nach acht Wochen ist ein Husten abzuklären, wobei sich die Apparatediagnostik zunächst auf Thoraxröntgen und Spirometrie beschränkt. Etwa ab dem fünften Lebensjahr klappt deren Einsatz, so die Erfahrung der Pädiaterin.

Warnhinweise bei chronischem Husten
Befund
mögliche Ursache
Husten von Geburt an
  • Fehlbildung der Atemwege (Tracheo- oder Bronchomalazie), ösophagotracheale Fisteln
  • chronische Lungenerkrankung des Frühgebo­renen, ggf. in Verbindung mit neurologischen Auffälligkeiten
  • neurologische Erkrankungen, die Koordination von Schlucken und Atmen beeinträchtigen
zusätzliche Gedeihstörung
  • chronische Infektionen (Tuberkulose!)
  • interstitielle Lungenerkrankungen
  • primärer Lungenhochdruck
  • Immundefekte
  • Herzfehler – die Atemnot kann wie ein Husten­anfall klingen
plötzliches Ereignis, z.B. akute Aspiration
  • Einatmen eines kleinen Spielzeugs, von Erdnüssen, Steinchen o.ä.
  • neurologische Störungen (s. oben)
  • selten: Gerinnungsstörungen (Lungenembolie bei gleichzeitiger Atemnot)
feuchter Husten
  • bakterieller Infekt, evtl. auf dem Boden einer bestehenden Lungenkrankheit
gastroösophagealer Reflux (Husten vor allem beim Trinken)
  • Fehlbildungen der oberen Atemwege
  • neurologische Erkrankungen (s. oben)
sonstige Auffälligkeiten bei Anamnese und körperlicher Untersuchung
  • z.B. auskultatorisches Knistern, Pfeifen oder Giemen
  • Uhrglasnägel (Herz!)
  • Atemnot, Zyanose
  • auffällige Thoraxform

Nach vier Wochen ohne Besserung Antibiotika geben

Als eine der typischen Ursachen beim Kind nennt die Kollegin protrahierte bakterielle Bronchitiden mit feuchtem Husten. Sie treten vor allem bei Klein- und Vorschulkindern auf. Die jungen Patienten erscheinen ansonsten unauffällig, auch das Röntgenbild liefert keine ungewöhnlichen Befunde. Erreger sind vor allem Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, ­Moraxella ­catarrhalis und Staphylococcus aureus. Hält der feuchte Husten länger als vier Wochen ohne Besserungstendenz an, sollte eine mindestens vier- bis sechswöchige Antibiose erfolgen.

Über viele Wochen anhaltende Beschwerden können auch die Folge einer Pertussis sein, nachdem sich im Stadium ­decrementi die charakteristischen krampfartigen Hustenanfälle gebessert haben.

Fremdkörperaspirationen können – nach einem kräftigen, anfänglichen Husten – zunächst blande verlaufen. Mögliche Hinweise sind einseitige Auskultationsbefunde. Selten sieht man den ein­geatmeten Gegenstand im Röntgenbild. Zur Abklärung sollte man eine flexible Endoskopie durchführen lassen, zur Entfernung des Fremdkörpers benötigt man die starre Bronchoskopie.

Adenoide können zu chronischem Husten führen

Trockener Husten als Zeichen eines ­Asthma ­bronchiale ist bei Kindern selten. Kommen aber klassische Symptome hinzu – Pfeifen, Giemen, belastungsabhängige Beschwerden –, sollte man dieses Krankheitsbild ins Kalkül ziehen und zunächst für zwei bis vier Wochen ein inhalatives Stero­id verordnen. Wirkt das Medikament und treten die Beschwerden nach dem Absetzen erneut auf, spricht das für die Erkrankung.

Sinusitis oder Rhinitis sind bei Kindern ebenfalls eher selten Ursache eines chronischen Hustens. Eventuell können Adeno­ide zu solchen respiratorischen Beschwerden führen.

Ein Hilferuf des Kindes

Ein sogenannter habit cough hat meist psychische Ursachen und kann für eine objektive oder subjektiv empfundene Überlastung sprechen. Etwa dann, wenn ehrgeizige Eltern den Wochenplan ihres Kindes mit Hausaufgaben, Nachhilfestunden, Geigenunterricht, Ballett, Judo etc. durchtakten. Typischerweise fehlen bei einem solchen psychogenen Husten die nächtlichen Attacken, die ansonsten bei fast allen chronischen Hustenformen auftreten.

Eine seltene Ursache ist die primäre Zilien­dyskinesie, bei der die Flimmerhärchen in den Atemwegen nicht richtig arbeiten. In der Folge kommt es zum anhaltenden Hustenreiz, um den Schleim loszuwerden. Zur Diagnose sind spezielle Untersuchungen in entsprechenden Zentren nötig. Eine Mukoviszidose wird seit 2016, nach Einführung des Neu­geborenen-Screenings in Deutschland, kaum noch in fortgeschrittenen Stadien erstdiagnostiziert. Man sollte aber immer an diese Erbkrankheit denken, wenn ein Kind mit auffälliger Symptomatik nicht in Deutschland geboren wurde. Diagnostisch wegweisend ist dann der Schweißtest, der eine erhöhte Chloridkonzentration zeigt.

Quelle: Zacharasiewicz A. Monatsschr Kinderheilkd 2020; 168: 951-963; DOI: 10.1007/s00112-020-00961-5