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Adipositas: Infusionen statt Magenbypass

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Die drei Peptidhormone werden nach einer Magenbypass-Operation verstärkt ausgeschüttet. Die drei Peptidhormone werden nach einer Magenbypass-Operation verstärkt ausgeschüttet. © AGPhotography – stock.adobe.com
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Nicht jeder adipöse Diabetiker kann sich mit einem bariatrischen Eingriff anfreunden. Möglicherweise können Sie ihm mit einer neuen Peptidhormon-Kombi eine Alternative bieten.

Die Gewichtsreduktion nach einer Magenbypass-Operation beruht wohl teilweise auf der postoperativ angekurbelten Sekretion von drei intestinalen Peptidhormonen. Der Mix aus GLP1, Oxyntomodulin und Peptid YY wirkt appetitregulierend und stoffwechselfördernd und unterstützt damit den Gewichtsverlust.

In einer ersten europäischen Pilotstudie mit übergewichtigen Diabetikern (BMI zwischen 38 und 39) wurde die Eignung der subkutanen Infusion eines solchen Hormoncocktails über vier Wochen ganz ohne Kalorienreduktion getestet – verblindet und placebokontrolliert. Als Vergleich dienten 21 bariatrisch Operierte sowie 22 Patienten nach einer vierwöchigen Diät mit maximal 800 kcal/Tag.

Alle Studienteilnehmer erfüllten die Kriterien für eine bariatrische Operation und hatten einen Prä- oder Typ-2-Diabetes. Vier Wochen lang erhielten 15 Patienten der Infusionsgruppe täglich den Hormoncocktail (i.v.) und 11 zur Kontrolle eine Kochsalzlösung. Die Infusionen starteten eine Stunde vor dem Frühstück und liefen für insgesamt 12 h bis nach der letzten Mahlzeit.

Die Kombination der drei Peptidhormone wurde gut vertragen und ließ die Pfunde purzeln: Die Patienten verloren in den vier Wochen im Mittel 4,4 kg. Damit lagen sie zwar unter dem Gruppendurchschnitt der Operierten (-10,3 kg) und der diätisch Behandelten (-8,8 kg), verloren aber signifikant mehr Gewicht als die Placebogruppe (2,5 kg).

Hinsichtlich des durchschnittlichen Blutzuckers – erfasst über den Fructosamin-Wert – stand die Infusion der OP und Diät in nichts nach und reduzierte die absolute Fructosamin-Konzentration sogar etwas stärker (-44,1 vs. -34,0 vs. -28,5 µmol/l). Auch bei Glukosetoleranz und glykämischer Variabilität schnitten die Peptidhormon-Behandelten besser ab als die Kontrollpatienten mit Kalorienrestriktion oder Magenbypass-OP. Und das gerade im Vergleich zu Letzterer ohne die zahlreichen negativen Begleiterscheinungen.

Quelle: Behary P et al. Diabet Care 2019; 42: 1446-1453; doi: doi.org/10.2337/dc19-0449

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