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Salzkonsum Alles nur ein Messfehler?

Autor: Dr. Moyo Grebbin

Was stimmt denn nun? Ist zu viel Salz wirklich schlecht für das Herz? Was stimmt denn nun? Ist zu viel Salz wirklich schlecht für das Herz? © Sharif – stock.adobe.com
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Fragebögen, einzelne Proben als Datenbasis, Vorerkrankungen – auch in neueren kardiologischen Studien zum Thema Salzkonsum gibt es wohl viele methodische Ungenauigkeiten. Um widersprüchliche Ergebnisse einzuordnen, räumte eine Gruppe die Fehlerquellen gezielt aus.

Eine ganze Reihe an Metaanalysen, prospektiven Kohortenstudien und randomisierten Erhebungen ergaben in der Vergangenheit einen linearen Zusammenhang zwischen gesteigerter Natriumaufnahme und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko. Dennoch bleibt das Thema umstritten. Unter anderem, da einige abweichende neuere Studien darauf hinwiesen, dass sowohl eine erniedrigte als auch erhöhte Natriumaufnahme das kardiovaskuläre Risiko steigern könnte.

Einzelne Proben und Fragebögen reichen nicht

Als einen der Hauptgründe hinter den Diskrepanzen vermutete eine Gruppe um die Epidemiologin Dr. ­Juang Ma von der Harvard Medical School in Boston Messungenauigkeiten. Sowohl eine Erhebung des Salzkonsums mit Fragebögen als auch anhand punktueller Urinproben oder einzelner 24-Stunden-Urinsammlungen kritisierten die Forschenden als sehr ungenau. Die Natriumaufnahme schwanke erheblich von Tag zu Tag, eine Probe repräsentiere das Konsumverhalten einer Person unzureichend. Würden chronisch kranke Teilnehmende nicht aus den Analysen ausgeschlossen, riskiere man zudem eine umgekehrte Kausalität: So habe eine Person, die ihren Salzkonsum aus bestehenden Krankheitsgründen bereits einschränkt, oft weiterhin ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Die eigene Analyse basierte daher auf Daten aus sechs prospektiven Studien aus den USA und Europa mit gesunden Teilnehmenden. Als Vo­raussetzung galt, dass zu jeder Person mehrere 24-Stunden-Urinproben vorliegen mussten. Neben der Natriumausscheidung berücksichtigten sie zudem die Kaliumkonzentration im Urin sowie das Verhältnis der beiden Salzionen zueinander.

Die insgesamt gut 10.700 eingeschlossenen Personen waren durchschnittlich 51,5 Jahre alt. In der medianen Nachbeobachtungszeit von 8,8 Jahren wurden 571 kardiovaskuläre Ereignisse festgestellt, definiert als koronare Revaskularisation, tödlicher oder nicht-tödlicher Herzinfarkt bzw. Schlaganfall. Sowohl eine höhere Natriumausscheidung, niedrigere Kaliumexkretion als auch eine hohe Natrium-zu-Kalium-Rate korrelierte jeweils signifikant mit einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Zusammenhänge waren linear und dosisabhängig: So lag bei einem medianen 24-Stunden-Na­triumwert von 3.270 mg das kardiovaskuläre Risiko pro 1.000 mg Na/d um 18 % höher. Umgekehrt sank es pro 1.000 mg/d weniger Kalium um 18 %. Eine neuerliche Empfehlung dafür, den derzeit üblichen Natriumkonsum einzuschränken und die Kaliumaufnahme zu erhöhen.

Quelle: Ma Y et al. N Engl J Med 2022; 386: 252-263; DOI: 10.1056/NEJMoa2109794

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