Apple Heart Study prüft Smartwatch als Screening-Werkzeug

Autor: Dr. Sascha Bock

Mittels Photoplethysmographie misst eine Smartwatch den Puls. © iStock/Sinhyu; george tsartsianidis

Patienten bringen längst die Vitalparameter von Fitnessarmbändern und Ähnlichem mit in die Praxis. Diese Daten könnte man durchaus zur Früherkennung nutzen. Um Vorhofflimmern zu detektieren, wagt Apple nun einen Vorstoß in die Studienwelt.

Es ist nicht die erste Untersuchung, in der eine Art Vorhofflimmer-Massenscreening via Smartwatch getestet wird. Statt des zuvor genutzten Echtzeit-EKG dient in der laufenden Apple Heart Study aber die Pulskurve als Richtschnur.1 Bis Juli 2018 haben sich etwa 419 000 US-Bürger ab 22 Jahren online für die Studie registriert. Die Teilnehmerliste beschränkt sich auf Besitzer eines iPhones und einer Apple Watch. Letztere erkennt über einen Sensor Unregelmäßigkeiten in der Herzfrequenz (Photoplethysmographie).

Erste Zwischenergebnisse wurden auf dem diesjährigen ACC*-Kongress präsentiert. Bei insgesamt ca. 2100 Probanden (0,5 %) poppte eine Nachricht auf dem iPhone-Display auf, dass der Sensor etwas Auffälliges erkannt hat.

EKG-Patch wurde bis zu sieben Tage getragen

Gemäß Protokoll passierte nun Folgendes: Über eine App konnten die Teilnehmer mit einem Arzt reden und bekamen falls nötig einen EKG-Patch zugeschickt. Den Patch trugen sie bis zu sieben Tage.

Bei gleichzeitig angelegtem EKG ergab sich für die Smartwatch-Benachrichtigung ein positiver prädiktiver Wert von 84 %. Das heißt, mehr als vier von fünf Personen mit einer Arrhythmie in der Photoplethysmographie hatten auch ein Vorhofflimmern im ambulanten Elektrokardiogramm. Den Studienautoren zufolge zeigen die vorläufigen Resultate, wie gut diese moderne Technik längere Flimmerepisoden erkennt.

Experten der European Heart Rhythm Association reagieren verhalten.2 Einzelne Bedenken reichen von Datenschutzlücken bis hin zu Angst schürenden falsch positiven Sensor-Befunden. Ersetzen könne eine Smartwatch die Standarddiagnostik keinesfalls. Zudem sei die medizinische Konsequenz für junge Leute, deren Untersuchung tatsächlich ein Vorhofflimmern zutage bringt, unklar.

Auch Professor Dr. Thorsten Lewalter, Internistisches Klinikum München Süd, hält die klassischen Methoden bei Arrhythmiehinweisen für obligat. Auf dem Cardio Update der DGK in Wiesbaden räumte er jedoch ein, dass „wir uns mit dieser neuen Welt anfreunden müssen“.3 Den EKG-Eifer digitalophiler Patienten solle man also nicht bremsen, sondern fördern.

* American College of Cardiology

Quellen:
1. Pressemitteilung des American College of Cardiology vom 16.03.2019
2. Pressemitteilung der European Society of Cardiology vom 16.03.2019
3. 14. DGK-Kardiologie-Update-Seminar