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Arzt bemängelt Wissensdefizite bei der Sauerstofftherapie

Autor: Manuela Arand

Der Erfolg einer Langzeitsauerstoff­therapie steht und fällt mit der zuver­lässigen Handhabung der Geräte. Der Erfolg einer Langzeitsauerstoff­therapie steht und fällt mit der zuver­lässigen Handhabung der Geräte. © spaghettikku – stock.adobe.com
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Beim Thema Sauerstofftherapie dreht sich die Diskussion meist darum, wer sie bekommen sollte und wie lange. Dass Ärzte oft herzlich wenig Ahnung von den Geräten haben, die sie da verordnen, fällt unter den Tisch.

Die korrekte Auswahl der Devices sowie die Schulung von Patienten, Angehörigen und Betreuern bestimmen maßgeblich den Therapieerfolg der Sauerstofflangzeittherapie. Mit den Systemen, die im Krankenhaus benutzt werden, kennen sich die Ärzte oft noch aus, aber nicht mit den Geräten für den Hausgebrauch. Viele sind daher nicht in der Lage, Patienten im Umgang mit den Systemen zu unterweisen oder Fragen zur Anwendung zu beantworten.

Das führt dazu, dass die Kranken mit der Therapie nicht zurechtkommen und keinen Nutzen aus ihr ziehen, so die Erfahrung von Professor Dr. Thomas Kallstrom, Chef der American Association für Respiratory Care in Irving. Er erläuterte, worauf es bei der Verordnung ankommt.

Zwar gibt es für die Sauerstofflangzeittherapie unzählige verschiedene Systeme, aber die lassen sich in drei große Gruppen unterteilen. Jede hat Vor- und Nachteile, die man kennen sollte.

 

1. Sauerstoffkonzentratoren

 

Sie stehen als tragbare oder stationäre Variante zu Verfügung, was die Flexibilität für den Patienten erhöht. Sie absorbieren und konzentrieren Sauerstoff aus der Umgebungsluft und erreichen hohe O₂-Konzentrationen, brauchen dazu aber kontinuierlich Strom – daheim aus der Steckdose, unterwegs aus dem Akku. Ein Back-up für den Fall eines Stromausfalls ist auf jeden Fall nützlich, meinte Prof. Kallstrom. Das Ganze funktioniert nicht geräuschlos, was manche Patienten als lästig empfinden.

Portable Sauerstoff-Konzentratoren speichern keinen Sauerstoff und sind in der Abgabemenge limitiert, sodass sie sich nicht für eine kontinuierliche Therapie eignen.1 Stationäre Geräte bringen es auf bis zu 6 l O₂/min, haben aber den Nachteil, dass der Aktionsradius des Patienten durch die Schlauchlänge festgelegt ist. Außerdem müssen sie regelmäßig vor Ort gewartet werden.

 

2. Sauerstoff-Druckflaschen

 

O₂-Druckflaschen werden für die Heimbeatmung selten verwendet. Prof. Kallstrom sieht ihren Platz vor allem als Back-up für andere Systeme. Sie bieten zwar den Vorteil, dass sie langsam und gleichmäßig Sauerstoff mit Druck freisetzen. Ein Nachteil liegt aber in der begrenzten Füllmenge, die etwa 4- bis 5-mal geringer ist als bei Flüssigsauerstoffsystemen.

Für die mobile Anwendung stehen in Deutschland 0,8- und 2-Liter-Flaschen zur Verfügung, die 160 l respektive 400 l Sauerstoff enthalten. Dadurch ist die „Laufzeit“ je nach Sauerstoffbedarf auf wenige Stunden bis Tage beschränkt, was die Mobilität zusätzlich einschränkt. Das führt dazu, dass Patienten einer kanadischen Studie zufolge nur 50–70 % der verordneten Sauerstoffmenge tatsächlich anwenden.2 Außerdem stellt die Logistik hohe Ansprüche, weil der Anbieter regelmäßig nachliefern muss, sofern der Patient nicht im Besitz eines stationären O₂-Konzentrators mit Home-fill-Funktion ist.1

 

3. Flüssigsauerstoff

 

Flüssigsauerstoff ist eine elegante Lösung, bei der große O₂-Mengen auf kleinem Raum konzentriert werden (1 l Flüssigsauerstoff entspricht über 850 l gasförmigem O₂).1 Meist wird ein stationärer Tank benutzt, aus dem sich tragbare Geräte, Stroller genannt, nachfüllen lassen. Mit keinem anderen System werden so hohe Flussraten (bis 15 l/min. bei 99 % O₂-Gehalt) erreicht und die Stroller sind vergleichsweise leicht.

Für welches System Patient und Arzt sich entscheiden, hängt davon ab, wie mobil der Patient ist, ob er Sauerstoff braucht, wenn er zum Beispiel einkaufen oder spazieren gehen will, und wie hoch die Flussrate sein muss. Wichtig ist auch, ob er in der Lage ist, das Gewicht einer Sauerstoffflasche oder eines Strollers zu heben oder gar mit sich herumzutragen.

Die Compliance sollte regelmäßig überprüft werden ebenso wie die Frage, ob der Patient den Sauerstoff überhaupt noch benötigt. Die Erfahrung lehrt, dass viele Patienten nach einigen Monaten wieder darauf verzichten können. Eine amerikanische Multizenterstudie ergab, dass mit Sauerstoff versorgte Patienten vielfach nicht routinemäßig nachuntersucht werden.2 Die Reassessments sind jedoch notwendig, um rechtzeitig festzustellen, wann ein COPD-Patient nach der Exazerbation kein O₂ mehr braucht, was häufig der Fall ist.

Quellen:
1.Gauthier A et al. Chronic Respir Dis 2019; 16: 1479972318767724; DOI: 10.1177/1479972318767724
2.Sculley J et al. American Thoracic Society International Conference 2019, A7466; DOI: 10.1164/ajrccm-conference.2019.199.1_MeetingAbstracts.A7466

Kongressbericht: ATS (American Thoracic Society) 2020 Virtual


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