Autismus immunologisch bedingt?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Eine US-Studie bestätigt den Zusammenhang zwischen Autismus und Allergien. © Fotolia/Robert Kneschke

Kinder mit Allergien erkranken offenbar häufiger an autistischen Störungen. Zu diesem brisanten Schluss kommt eine große Querschnittsstudie.

In der Ätiologie von Erkrankungen des autistischen Formenkreises spielen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren ein Rolle, erklärt ein Forscherteam um Dr. Guifeng Xu von der University of Iowa. Um zu klären, ob autistische Kinder gehäuft an Allergien leiden, haben die Wissenschaftler Daten des „National Health Interview Survey“ ausgewertet.

Nahrungsmittelallergie steigert das Risiko um das 2,3-Fache

Mithilfe dieses Instruments werden in den USA seit 1957 jährlich repräsentative Informationen zum Gesundheitszustand der Bevölkerung erhoben. In die aktuelle Analyse gingen die Daten von nahezu 200 000 Kindern im Alter zwischen 3 und 17 Jahren des Erhebungszeitraums 1997–2016 ein.

Das Ergebnis: Kinder mit einer Erkrankung des autistischen Formenkreises litten im Vergleich zu nicht betroffenen signifikant häufiger an Allergien. Bei einer Nahrungsmittelallergie nahm das Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung um das 2,3-Fache zu. Bei einer respiratorischen Allergie stieg es um das 1,3-Fache und bei einer Hautallergie um das 1,5-Fache.

Bei Autismus-Spektrum-Störungen, so die Hypothese der Wissenschaftler, scheinen immunologische Prozesse im Verdauungstrakt eine wichtige Rolle zu spielen. Dies wird durch die Beobachtung unterstützt, dass viele autistische Kinder an gastrointestinalen Beschwerden leiden und sich eine Allergenkarenz günstig auf ihr Verhalten auswirken kann. Zukünftige Studien müssen die Kausalität allerdings noch bestätigen.

Quelle: Xu G et al. JAMA Network Open 2018; 1: e180279