Bei Rhizarthrose Schienen und Physiotherapie verordnen

Autor: Maria Weiß

Auf den richtigen Sitz der Orthese kommt es an. Auf den richtigen Sitz der Orthese kommt es an. © iStock/piggypa

Wer von einer Daumen­sattel­gelenkarthrose geplagt wird, dem helfen in der Regel konservative Maßnahmen. Die müssen dann aber auch korrekt durchgeführt werden.

Das Daumensattelgelenk ist per se schon kompliziert: Os trapezium und erster Mittelhandknochen bilden hier ein Sattelgelenk, dessen Flächen nicht recht zusammenpassen und das funktionell eigentlich als dreiachsiges Kugelgelenk agiert. Degenerative Veränderungen sind daher häufig und nehmen mit dem Alter zu, wobei Frauen 10 bis 15 Mal häufiger betroffen sind als Männer.

Typische Beschwerden bei Rhiz­arthrose sind Schmerzen rund um den Daumenballen, die anfangs vor allem bei Belastung wie Schneide- und Drehbewegungen auftreten. In fortgeschrittenen Stadien kann es zu persistierenden Schmerzen, Steifigkeit und Kraftverlust kommen. Auch im höheren Alter sollten diese Beschwerden ernst genommen und konsequent behandelt werden, betonte Dr. Berthold Bickert von der Sektion Handchirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen.

Druckschmerzen und reduzierter Abspreizwinkel

Die klinische Untersuchung steht bei der Diagnostik an erster Stelle. Typisch sind Druckschmerzen über dem Karpometakarpalgelenk I oder dem skapho-trapezio-trapezoidalen Gelenk sowie eine Reduktion von Abspreizwinkel und Handspanne. Weitere Anzeichen sind positiver Grind-Test und ein positiver Drucktest nach Glickel. Mit dem Pinchmeter kann ein Kraftverlust im Seit- und Dreipunktgriff festgestellt werden.

Machen Sie den Daumen-Test!

Klinisch lässt sich eine Rhizarthrose mit dem Grind-Test nachweisen. Hierbei übt der Untersucher eine Drehbewegung bei gleichzeitigem axialem Druck auf den Daumen seines Patienten aus. Ein Mahlen und Reiben (Grinding) sowie Schmerzen deuten auf eine Arthrose hin. Beim Drucktest nach Glickel wird der erste Mittelhandknochen in Streckstellung gehalten und zugleich Druck auf dessen Basis ausgeübt. Bei fortgeschrittener Rhiz­arthrose ver­ursacht das Schmerzen.

Typisch ist eine starke entzündliche Komponente bei nur geringen röntgenologischen Veränderungen. Zur konservativen Therapie der aktivierten Rhizarthrose gehören daher Antiphlogistika oder auch die Gabe systemischer Kortikosteroide. Auch eine niedrig dosierte Strahlentherapie kann die Beschwerden lindern, genauso wie eine physikalische Therapie mit Wärme- oder Kälteanwendung. Von Injektionen in das Gelenk riet der Experte dagegen ab.

In allen Krankheitsstadien gehören Orthesen und Physiotherapie zum Therapiekonzept. Wichtig ist dabei der richtige Sitz der Orthese: Entweder wird der Daumen nicht mit eingeschlossen und nur ein leichter Druck auf die Basis des Mittelhandknochens ausgeübt. Oder das Daumengrundgelenk wird mit Einschluss des Daumens stabilisiert, wobei der Daumenteil aber so zurechtgebogen werden muss, dass 30° Flexion erreicht werden. Das physio- und ergotherapeutische Konzept erläuterte Natascha­ Weihs, Physiotherapeutin an der Klinik für Handchirurgie in Bad Neustadt. Dazu gehören Gelenkmobilisierung durch Manualtherapie, Detonisierung reaktiv verspannter Muskel und Stärkung der extrinsischen und intrinsischen Muskulatur, aber auch die Einweisung in den Gelenkschutz mit Verwendung geeigneter Hilfsmittel.

Führt dies alles nicht zum Erfolg, bleiben noch operative Maßnahmen. In weit fortgeschrittenen Stadien ist dies vor allem die Resektion des Os trapezium, erklärte Dr. Martin Richter von der Malteser Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie in Bonn. Nach der bisherigen Evidenz ist das die einfachste Methode mit der geringsten Komplikationsrate und daher als Goldstandard anzusehen. In den meisten Fällen lassen sich zufriedenstellende Ergebnisse in Bezug auf Schmerzlinderung und Kraftgewinn erzielen, auch wenn das bis zu einem Jahr dauern kann. Alternativen sind Endoprothesen oder arthroskopische Eingriffe.

Quelle: DKOU* 2019

* Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie