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Bessere Frühdiagnose von gastrointestinalen Tumoren

Autor: Dr. Katharina Arnheim

Die Fall-Kontroll-Studie zeigt vielversprechende Daten zum Bluttest. Die Fall-Kontroll-Studie zeigt vielversprechende Daten zum Bluttest. © Connect world – stock.adobe.com
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Tumoren im gastrointestinalen Bereich sind in den USA für 20 % der krebsbedingten Todesfälle verantwortlich. Ein Bluttest soll helfen, die Karzinome früher zu identifizieren, um so die Heilungschancen zu erhöhen.

Tumoren des Gastrointestinaltraktes wie die von Ösophagus, Magen, Pankreas oder Kolon umfassen in den USA rund 17 % aller inzidentell entdeckten Karzinome. Zudem sind sie für 20 % aller krebsbedingten Todesfälle verantwortlich. Ein nicht-invasiver Test auf zellfreie DNA (cfDNA) zur Diagnose zahlreicher Tumoren wäre sehr hilfreich, um Malignome früher zu detektieren und die Sterblichkeit zu senken, betonte Professor Dr. Brian M. Wolpin, Dana-Farber Cancer Institute, Boston.

Doch für Pankreas- oder Gallenblasenkarzinome gibt es derzeit keine Screening-Untersuchung; die Vorsorgeuntersuchungen auf Magen- und Kolonkarzinome sind invasiv und werden daher zu selten in Anspruch genommen. Der von der Arbeitsgruppe um Prof. Wolpin entwickelte Bluttest basiert auf dem Nachweis von Methylierungen in der DNA, die eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielen.

Methylierungsanalyse soll Tumoren aufspüren

Die Wissenschaftler nutzen dafür eine als Bisulfit-Sequenzierung bezeichnete Technologie, mit der spezifische Methylierungsmuster in der cfDNA nachgewiesen werden können. Geprüft und validiert wurde der Test in der CCGA*-Studie, einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie mit longitudinaler Nachbeobachtung und insgesamt 15 254 Teilnehmern, berichtete der Referent.

Gut die Hälfte von ihnen waren neu diagnostizierte, bislang unbehandelte Patienten mit mehr als 20 verschiedenen Tumoren aller Stadien. Die übrigen 44 % dienten als gesunde Kontrollen. Bei der aus Blutproben extrahierten cfDNA erfolgte eine gezielte Methylierungsanalyse, um einen Algorithmus zu entwickeln, mit dessen Hilfe das Vorhandensein eines Tumors und seine Lokalisation im Körper nachgewiesen werden können.

Im Trainingsset lag die Sensitivität zum Nachweis von Tumoren bei 82 %, im Validierungsset bei 81 %, erläuterte der Experte. Die Spezifität betrug sogar mehr als 99 %. Die Lokalisation des Tumors konnte mit einer Genauigkeit von 92 % vorhergesagt werden. Tumoren des oberen Gastrointestinaltraktes in den Stadien I–III wurden mit einer Sensitivität von 75 % erkannt.

Bei Karzinomen von Pankreas, Gallenblase und extrahepatischen Gallengängen lag die Sensitivität bei 79 %, bei Kolorektalkarzinomen waren es 70 %. In Spätstadien wurden Sensitivitätsraten von 93 % (Kolon und Rektum) bzw. 100 % (Magen, Pankreas, Galle) erreicht.

„Die Methylierungsanalyse von cfDNA in einer Blutprobe ermöglicht also die Detektion verschiedener gastrointestinaler Tumoren mit hoher Sensitivität und einer niedrigen Rate falsch-positiver Ergebnisse. Damit könnten diese Tumoren früher in noch kurativen Stadien erkannt werden“, resümierte Prof. Wolpin. Er betonte, dass das Screening-Potenzial des Bluttestes derzeit in den zwei laufenden populationsbasierten Studien STRIVE und SUMMIT weiter validiert werde. 

* Circulating Cell-free Genome Atlas

Quelle:
Wolpin BM et al. J Clin Oncol 2020; 38 (suppl 4; abstr 283)
Gastrointestinal Cancers Symposium (ASCO-GI) 2020


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