Blutdrucksenker sollte man abends schlucken

Autor: Dr. Judith Lorenz

Herzinfarkt, Schlaganfall und Insuffizienz treten seltener auf, wenn Antihypertensiva abends eingenommen werden. © terovesalainen – stock.adobe.com

Die Wirkung der Antihypertensiva hängt wohl von ihrem Einnahmezeitpunkt ab. Wer die Tabletten abends schluckt, senkt den Blutdruck effektiver und ist besser vor schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen geschützt.

Der Blutdruck unterliegt zirkadianen Schwankungen, beispielsweise ist das Renin-Angiotensin-System im Schlaf am aktivsten, schreiben Dr. Ramón Hermida vom Atlantic Research Center for Information and Communication Technologies der Universität Vigo und Kollegen. Beeinflusst dies auch die Effektivität von Antihypertensiva? Die Wissenschaftler untersuchten, ob Antihypertensiva besser wirken, wenn sie vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

An der multizentrischen Hygia Chronotherapy-Studie nahmen rund 19 000 spanische Bluthochdruckpatienten teil. Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung wurden von der Studie ausgeschlossen. Jeweils die Hälfte nahm über einen durchschnittlichen Zeitraum von 6,3 Jahren ihre gesamte Tagesdosis an Antihypertensiva (z.B. ACE-Hemmer, Betablocker, Kalziumantagonisten) entweder vor dem Zubettgehen oder nach dem Aufstehen ein.

Die regelmäßig durchgeführten Langzeitblutdruckmessungen belegten: Bei abendlicher Tabletteneinnahme gelang die Blutdruck­kontrolle besser als bei morgendlicher Medikation. Dies betraf insbesondere die Nachtabsenkung des Blutdrucks.

Ferner hatten die Patienten der „Abendgruppe“ ein um 45 % geringeres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. So erlitten sie seltener einen Myokardinfarkt, eine Herzinsuffizienz oder einen Schlaganfall, benötigten weniger häufig eine koronare Revaskularisierung und starben seltener aufgrund kardiovaskulärer Ursachen.

Antihypertensiva senken den Blutdruck effektiver und reduzieren die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität besser, wenn sie abends eingenommen werden, schlussfolgern die Experten.

Quelle: Hermida RC et al. Eur Heart J 2019; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz754