Anzeige

Brustkrebspatientinnen ohne zirkulierende Tumorzellen leben länger

Autor: Birgit-Kristin Pohlmann

Wenn der Tumor etwa 1 mm groß ist, beginnen sich Zellen zu lösen. Wenn der Tumor etwa 1 mm groß ist, beginnen sich Zellen zu lösen. © Science Photo Library/NATIONAL CANCER INSTITUTE/USC Norris Comprehensive Cancer Center
Anzeige

Die Anzahl der im Blut zirkulierenden Tumorzellen vor und während der Behandlung gilt als prädiktiv für das Gesamtüberleben von Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom. Laut einer Metaanalyse mit mehr als 4000 Patientinnen ist die prognostische Bedeutung un­abhängig vom Krebssubtyp.

Um den prognostischen Wert der zirkulierenden Tumorzellen (CTC) bei Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom zu klären, initiierten deutsche Wissenschaftler eine Metaanalyse. Sie basiert auf Daten von insgesamt 14 peer-reviewed Studien aus der ganzen Welt mit insgesamt 4079 Brustkrebspatientinnen. Bei ihnen wurden vor und während der Behandlung wiederholt CTC gemessen. Zu Anfang wiesen 2961 Frauen diese Zellen auf, waren also CTC-positiv.

Die gepoolte Auswertung bestätigt die Anzahl der zirkulierende Tumorzellen als prognostischen Faktor: Je weniger im Blut schwammen, desto länger war das mediane Gesamt­überleben (OS) der Patientinnen, erläuterte Professor Dr. Wolfgang­ Janni­ von der Universitätsfrauenklinik Ulm. So überlebten Frauen, die vor Therapiebeginn keine CTC aufwiesen, median 43,04 Monate. Im Vergleich dazu lebten Patientinnen mit ein bis vier zirkulierenden Tumorzellen 30,55 Monate, solche mit 5–25 Zellen 16 Monate und die mit mehr als 25 Zellen nur 15,44 Monate (Hazard Ratio [HR] 1,44; p < 0,0001 bzw. HR 2,01; p < 0,0001 bzw. HR 3,01; p < 0,0001).

DETECT III: CTC-Monitoring mit klinischer Relevanz

Auch in der randomisierten Phase-3-Studie DETECT III aus Deutschland erwies sich ein früher Abfall der CTC-Zahl bei Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom als Indikator für eine günstige Prognose. Das Besondere der Studie ist, dass es sich um 105 Patientinnen mit einem HER2- primären Brustkrebs handelte, bei denen HER2+ CTC nachgewiesen wurden, schreiben die Autoren um Professor Dr. Tanja­ Fehm vom Universitätsklinikum Düsseldorf­. Die Frage war, ob die Teilnehmerinnen von einer zusätzlichen HER2-gerichteten Therapie – in dem Fall Lapatinib – profitieren. Das als Add-on zu Standardtherapie eingesetzte Lapatinib verlängerte das mediane Überleben signifikant sowohl im Rahmen der univariaten Analyse als auch der multivariaten Auswertung unter Berücksichtigung des metastasenfreien Überlebens, des Metastasierungs­musters, des Hormonrezeptor-Status sowie der (neo-)adjuvanten Chemotherapie und der Therapielinie in der metastasierten Situation (HR 0,54; p = 0,008 bzw. HR 0,55; p = 0,016). Keine Assoziation gab es hingegen zwischen der CTC-Clearance-Rate und dem Gesamtüberleben (HR 0,92; p = 0,85). Grundsätzlich bestätigte sich, dass Frauen ohne CTC im Median länger überlebten als jene mit (HR 0,36; p = 0,005). Die Autoren schließen nicht aus, dass die Ergebnisse insbesondere vor dem Hintergrund neuer HER2-gerichteter Medikamente klinische Relevanz haben und die Detektion von HER2+ CTC beim HER2- primären Mammakarzinom ein sinnvoller Stratifikationsparameter sein könnte.

Quelle: Fehm T et al. San Antonio Breast Cancer Symposium 2020 virtual; PD3-12

14 Monate mehr im Falle einer Konversion

Frauen, die über den gesamten Beobachtungszeitraum keine zirkulierenden Tumorzellen hatten, lebten mit median 47 Monaten am längsten. Bei knapp einem Drittel (27,1 %) der initial CTC-positiven Patientinnen mit mindestens einer zirkulierenden Zelle befanden sich nach median 29 Tagen ab Therapiebeginn keine Tumorzellen mehr im Blut. Sie lebten fast doppelt so lange wie jene, die positiv blieben (32,20 Monate vs. 17,87 Monate; HR 0,49; p < 0,0001). Umgekehrt verschlechterte sich die Prognose der initial CTC-Negativen, wenn sich unter der Behandlung auf einmal zirkulierende Tumor­zellen im Blut befanden (29,67 Monate vs. 47,05 Monate; HR 1,52; p < 0,0001).

Diese Effekte bestätigten sich unabhängig vom Brustkrebs-Subtyp: Patientinnen mit einem luminalen (HR+/HER2-) metastasierten und initial CTC-positiven Mammakarzinom überlebten mit median 36,58 Monaten versus 20,45 Monate signifikant länger als jene ohne CTC-Ansprechen (HR 0,47; p < 0,0001). Teilnehmerinnen mit HER2+ metastasiertem Brustkrebs lebten länger, wenn unter der Therapie alle zirkulierenden Tumorzellen im Blut verschwanden (22,80 Monate vs. 36,83 Monate, HR 0,54; p < 0,0001). Den deutlichsten Überlebensvorteil erreichten die Patientinnen mit metastasiertem, initial CTC-positivem tripel-negativem Mammakarzinom (TNBC). Sie verdoppelten ihr medianes Gesamtüberleben bei CTC-Ansprechen von 9,38 Monaten auf 20,47 Monate (HR 0,41; p < 0,0001).

Klinischer Nutzen muss noch validiert werden

Die Überlebenszeit war damit nur etwa vier Monate kürzer als bei den bereits initial CTC-negativen TNBC-Patientinnen mit median 24,61 Monaten. Die Daten deuten laut Prof. Janni­ darauf hin, dass sich durch ein frühes CTC-Monitoring die Prognose von Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom besser voraussagen lasse. Dies gelte für alle intrinsischen Subtypen. Der klinische Nutzen des CTC-Monitorings müsse jedoch weiter validiert werden.

Quelle: Janni WJ et al. San Antonio Breast Cancer Symposium 2020 virtual; GS4-08­