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Hautschäden Da sehen Raucher alt aus

Autor: Dr. Susanne Gallus

Wie schaden Nikotin und seine Mitstreiter der Haut? Wie schaden Nikotin und seine Mitstreiter der Haut? © iStock/martin-dm
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Volumen und Elastizitätsverlust der Haut sind im Alter normal. Doch wer raucht, beschleunigt diesen Prozess. Dafür verantwortlich sind mehrere Inhaltsstoffe im Tabakrauch.

Tabakrauch enthält über 4.000 Schadstoffe. „70 davon sind krebserregend“, erklärte Professor Dr. Hjalmar Kurzen vom Haut- und Laserzentrum Freising. Rauchen wirkt sich aber nicht nur in Bezug auf Krebs gefährlich aus, es greift auch die Haut an. Eine Geschwisterstudie zeigte: Im Vergleich zum nicht oder kaum rauchenden Zwilling sorgten fünf Packungsjahre beim paffenden für eine deutliche Hautalterung in den unteren zwei Gesichtsdritteln. Nasolabialfalte und Plisseefalten, also dort, wo Volumen und Elastizitätsverlust eine wichtige Rolle spielen, waren stärker ausgeprägt, zudem bildeten sich sichtbare Tränensäcke (Blepharochalasis).

Verstärkter Kollagenabbau, schlechtere Wundheilung

Wie kommt es dazu? Teer bewirkt eine Photosensibilisierung und fördert den Kollagenabbau. Letzteres trifft genauso auf die freien Radikale zu, die ihrerseits der Liste noch DNA-Schäden hinzufügen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind nachweislich krebserregend. Und das im blauen Dunst enthaltene Kohlenmonoxid behindert durch eine Blockade der Sauerstoffversorgung die Wundheilung, was auch vor Operationen berücksichtigt werden sollte. Übrigens: Da die verzögerte Wundheilung kein Problem des Nikotins ist, können Raucher, die es nicht schaffen aufzuhören, problemlos auf Nikotinpatches, -sprays oder -kaugummis umsteigen, erklärte Prof. Kurzen.

Ein Hoch auf das Nikotin?

Im 16. Jahrhundert verwendete man Tabak noch zur Wundheilung, gegen Kopfschmerzen und bei verstopfter Nase (Schnupftabak). Die Pflanze fand insbesondere in der französischen Königin Catherine de Medici einen treuen Fan. Pemphigus-Patienten hätten auch heutzutage vielleicht noch einen Vorteil durch das im Tabak enthaltene Nikotin – lässt man Rauchen aufgrund des Krebsrisikos außen vor und beschränkt sich auf Nikotin­ersatzprodukte. Das Alkaloid fördert die Expression von Adhäsionsmolekülen und die Wundheilung, hemmt die B-Zell-Aktivität sowie die Freisetzung von TNF-α und IL-2 aus den Lymphozyten. „In der Praxis habe ich nur leider die Erfahrung gemacht, dass man praktisch niemanden, der Nichtraucher ist, davon überzeugen kann, ein Nikotinersatzprodukt zu sich zu nehmen“, berichtete Prof. Kurzen. Dazu sei die Angst vor der Suchtwirkung bei den Patienten zu groß.

Der Hauptbestandteil des Zigarettenrauchs – Nikotin – ist für die Suchterzeugung verantwortlich. Außerdem aktiviert es das cholinerge System, das neben den Rezeptoren im ZNS auch Rezeptoren im non-neuronalen cholinergen System der Haut hat. Diese ACh-Rezeptoren arbeiten an der epidermalen Differenzierung mit und sind darüber hinaus an Zelladhäsion, Proliferation, Apoptose, Angiogenese und Pigmentierung beteiligt. Man weiß beispielsweise anhand der Leukokeratosis nicotina palati, dass Nikotin zu einer Hyperplasie der Epidermis führen kann. Außerdem gibt es eine cholinerge Immunmodulation, die je nach betroffenen Zellen entzündungsfördernd (Mastzellen, neutrophile Granulozyten) oder entzündungshemmend (Lymphozyten, Makrophagen) ausfällt.

Manifestation von Hautkrankheiten wird gefördert

Entsprechend wirkt sich Nikotin auf verschiedene Hauterkrankungen aus: Genetisch vorbelastete Raucher haben ein höheres Risiko, dass sich eine Schuppenflechte manifestiert und sprechen schlechter auf viele Psoriasismedikamente an. Deutlich zeigt sich der Zusammenhang auch bei der palmoplantaren Pustulose – 90 % der Patienten rauchen – vermutlich, da die betroffenen Regionen besonders reich an Mastzellen und Granulozyten sind, wodurch es bei ACh-Stimulation zu einer Entzündungsreaktion (Mastzellen-Degranulation) kommt. Von Akne-inversa-Patienten weiß man ebenfalls, dass rund 60–90 % rauchen oder geraucht haben, Rezidive nach Operationen bei Zigarettenkonsumenten häufiger sind und die Akne inversa einen höheren Schweregrad im Sartorius-Score aufweist. In diesem Fall scheint Nikotin aber nicht allein verantwortlich: Es könnten auch unter anderem die PAK über Aryl-Hydrocarbon-Rezeptoren Einfluss beispielsweise auf die Talgdrüsen nehmen.

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