Diabetesprävention Diättipps auf dem Prüfstand

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Ein Blick auf die Datenbasis von Präventionsempfehlungen. Ein Blick auf die Datenbasis von Präventionsempfehlungen. © Africa Studio – stock.adobe.com

Zwar mangelt es nicht an Studien über den Einfluss der Ernährung auf das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Doch nicht alle Ergebnisse lassen sich generalisieren – und so bleibt es schwer, daraus evidenzbasierte Empfehlungen abzuleiten.

Welche Lebensmittel gesund sind und welche nicht, darüber wird häufig berichtet. Die Frage sei aber, welche Evidenz dafür bestehe, dass bestimmte Ernährungsmuster für die Prävention des Typ-2-Diabetes eine Rolle spielen, sagte Professor Dr. Matthias Schulze, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Er ging in seinem Vortrag auf verschiedene Methoden ein, um solche Muster – also die Konstellation der gesamten Diät – zu untersuchen.

Zum einen könne man sich vorab überlegen, wie ein gesundes Muster aussieht. So demonstrieren diverse Studien, dass Personen, die sich mediterran ernähren, ein verringertes Typ-2-Diabetesrisiko aufweisen.

Zum anderen erlauben exploratorische, datenorientierte Methoden, Aussagen über die in einer Personengruppe vorhandenen Ernährungsmuster zu treffen, so der Experte. Dabei werde geprüft, ob typische Ernährungsweisen mit einer Krankheit in Zusammenhang stehen. Klassische Beispiele seien Studien, die eine sogenannte „umsichtige“ Diät, die z.B. Gemüse, Fisch und Vollkornprodukte enthält, mit einer westlichen – mit rotem/verarbeitetem Fleisch, Eiern und Snacks – vergleichen.

Der Nachteil dieser datenbasierten Analysen: Die Ergebnisse und die daraus folgenden Muster sind sehr studienspezifisch. Somit seien auch Assoziationen mit den Erkrankungsrisiken nicht allgemein gültig und können für Ernährungsempfehlungen nur limitiert verwendet werden, warnte der Referent. Dass manche dieser Muster aber replizierbar sind, demonstrierte das Forscherteam um Prof. Schulze in einer Studie aus dem Jahr 2019. Darin suchten die Autoren nach länderspezifischen Mustern und deren Assoziationen mit einem Typ-2-Diabetes. Eines der drei Pattern, die einen solchen Zusammenhang zeigten, wurde in anderen Ländern wiedergefunden.1

Der Referent ging auch auf die Frage ein, ob sich bestimmte Ernährungsmuster für alle Menschen eignen, oder ob personalisierte Empfehlungen nötig wären. Das westliche Diätpattern interagiere in den USA scheinbar mit dem genetischen Risiko für Diabetes, berichtete Prof. Schulze. Die mediterrane Diät hingegen beeinflusst einer Studie zufolge das genetische Diabetesrisiko nicht. Der Referent betonte, dass Assoziationen dabei nicht nur vom Genotyp, sondern auch vom Phänotyp, z.B. Body-Mass-Index und Nüchternglukosewerten, abhängen können. Demnach profitieren scheinbar nur Personengruppen mit bestimmten Parametern von einer mediterranen Diät. Allerdings wisse man bezüglich der Precision-Nutrition-Ansätze noch viel zu wenig, um hierzu gute Informationen zu liefern.

Quelle:
1. Jannasch F et al. J Nutr. 2019; 149: 1047-1055; DOI: 10.1093/jn/nxz031

Kongressbericht: Diabetes Kongress 2021