Drei von hundert hustenden Erwachsenen haben Pertussis

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Eine Impfung gegen Bordetella pertussis verhindert die Mehrheit der damit verbundenen Todesfälle. © Kateryna_Kon – stock.adobe.com

Der Keuchhusten wird nach wie vor oft erst mit Verspätung erkannt – ein besonderes Risiko für die kleinsten Patienten. Dabei gibt es klare Indizien für eine Infektion. Zudem lässt sich die Ausbreitung der Bakterien einfach aufhalten.

Ein typisches Verdachtsmoment für eine Infektion mit Bordetella pertussis ist der mindestens zwei Wochen anhaltende Husten, oft begleitet von weiteren Symptomen (s. Kasten). Und die Krankheit trifft nicht nur Kleine: Bei 3 % aller Erwachsenen mit akutem Husten stecken die kleinen Stäbchenbakterien dahinter. Fieber und purulentes Sputum sprechen gegen die Infektion. Auch bei akutem (< 3 Wochen) oder chronischem Husten (> 8 Wochen) sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden. Säuglinge entwickeln oft Apnoe-Attacken.

Klinische Kriterien

Für die Diagnose Pertussis wird ein zwei Wochen oder länger anhaltender Husten und mindestens eines der folgenden Symptome gefordert:

  • Hustenanfälle ninspiratorisches Keuchen
  • Erbrechen nach dem Husten ohne erkennbaren Grund
  • Apnoe mit oder ohne Zyanose (bei Kindern < 1 Jahr)

Der Keuchhusten lässt sich in der Regel klinisch diagnostizieren, Labortests dienen nur der Absicherung. Sie dürfen aber auf keinen Fall die Therapie verzögern, betont das Forscherteam um Dipesh P. Gopal vom Barts and The London School of Medicine and Dentistry. Zur Verfügung stehen drei Verfahren: Bakterienkultur, Serologie und Polymerasekettenreaktion. Die Serologie sollte nicht eingesetzt werden, wenn im letzten Jahr gegen Pertussis geimpft wurde.

Kinder bis sechs Monate schon bei Verdacht in die Klinik

Wegen des erhöhten Risikos für (tödliche) Komplikationen wie Apnoe und Pneumonie raten die Experten, Kinder unter sechs Monaten schon im Verdachtsfall stationär einzuweisen. Sinnvoll ist dieser Schritt zudem bei älteren Kindern und Erwachsenen mit kardiorespiratorischen Begleiterkrankungen.

Bisher gibt es keine symptomatische Therapie, auch Antibiotika können den Husten weder lindern noch verkürzen. Sie senken aber das Übertragungsrisiko, wenn sie innerhalb von 21 Tagen nach Symptombeginn verabreicht werden. Die Kollegen empfehlen Azithromycin (3–5 Tage) oder Clarithromycin bzw. Erythromycin (7 Tage).

Prophylaxe mit Erythromycin

Schwangere im ersten Trimenon sollten kein Antibiotikum erhalten. Bei einer Infektion im letzten Schwangerschaftsmonat hilft Erythromycin, um eine Übertragung auf das Neugeborene zu verhindern. Auch engen Kontaktpersonen der Patienten bietet man am besten die Chemoprophylaxe an, wenn sie ein hohes Risiko aufweisen. Dazu zählen unzureichend geimpfte Säuglinge, Personen mit Atemwegserkrankungen oder Immunsuppression und Schwangere jenseits der 32. Woche.

Mit Antibiotika behandelte Pertussis-Patienten bleiben in den ersten zwei Tagen der Therapie infektiös. Deshalb dürfen Betroffene in den ersten 48 Stunden nicht in Kindergärten, Schulen oder Einrichtungen des Gesundheitswesens arbeiten.

Impfung im zweiten oder dritten Trimenon anbieten

Fast 80 % der Keuchhusten-bedingten Todesfälle lassen sich durch Impfungen verhindern. Umso wichtiger ist es, entsprechende Lücken zu schließen. Außerdem plädieren die Autoren dafür, Schwangeren eine Impfung im zweiten oder dritten Trimenon anzubieten, um das Neugeborene zu schützen. 

Quelle: Gopal DP et al. BMJ 2019; 364: l401