Fraglicher Vorteil von Adrenalin nach erfolgreicher Reanimation

Autor: Maria Weiß

Die Gabe von Adrenalin nach einer Reanimation gehört in Deutschland bislang noch zum Standard. © fotolia/benjaminnolte

Hierzulande wird während einer Reanimation standardmäßig Adrenalin verabreicht. Den Sinn dieser Notfallmaßnahme stellt nun eine britische Studie infrage.

Im Rahmen einer Studie wurden an fünf Zentren in Großbritannien die Rettungswagen mit Adrenalin-Ampullen ausgerüstet, von denen nur jede zweite tatsächlich den Wirkstoff enthielt. Das Team um Professor Dr. Gavin­ D. Perkins­ von der Warwick Medical School analysierte im Verlauf die Daten von 8014 Patienten, die außerhalb der Klinik einen Herzstillstand erlitten und eine Spritze bekommen hatten.

Kurzfristig erschien die Adrenalingabe erfolgreich: Bei 36,3 % der Patienten ließ sich wieder ein normaler Kreislauf erreichen – mit Placebo waren es 11,7 %. Doch im Verlauf verstarben die meisten dann doch: 30 Tage später lebten aus der Katecholamingruppe noch 3,2 %, aus dem Placebokollektiv 2,4 %. Das entsprach lediglich einem zusätzlichen Überlebenden auf 125 Behandelte.

Erhöhte Rate an schweren Hirnschäden

Dieser Vorteil hatte seinen Preis: Von den 128 Patienten, die nach Adrenalininjektion lebend das Krankenhaus erreichten, erlitten 31,0 % eine schwere Hirnschädigung. Nach Placebo traf das 17,8 %. Erklären ließe sich die höhere Rate an neurologischen Folgen durch die Zentralisierung des Kreislaufs unter der Katechol­amingabe, so die Autoren. 

Quelle: Perkins GD et al. N Engl J Med 2018; 379: 711-721