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Diabetes und Krebs Früherkennung gefordert

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Mehr als jede:r zweite Erwachsene in Deutschland ist mindestens übergewichtig, viele davon adipös. Mehr als jede:r zweite Erwachsene in Deutschland ist mindestens übergewichtig, viele davon adipös. © iStock/smartboy10
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Obwohl Diabetes-Erkrankte ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen, gibt es bisher keine organisierten Screeningmaßnahmen. Verschiedene Expert:innen forderten auf dem Diabetes-Kongress, dies zu ändern, und Betroffenen verschiedene Vorsorgeuntersuchungen für z.B. gynäkologische Tumoren und Darmkrebs mit erhöhter Dringlichkeit zu empfehlen.

Obwohl Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen, gibt es bisher keine organisierten Screeningmaßnahmen. Verschiedene Expert:innen forderten, dies zu ändern, und Betroffenen verschiedene Vorsorgeuntersuchungen für z.B. gynäkologische oder kolorektale Tumoren mit erhöhter Dringlichkeit zu empfehlen.

Zwischen 1975 und 2016 hat sich die Zahl der Erwachsenen mit Adipositas versechsfacht, sagte Dr. Jekaterina­ Vasiljeva­ vom Vivantes-Klinikum in Berlin. Dabei gilt: Je ausgeprägter und länger Übergewicht und Adipositas bestehen, desto größter ist das Krebsrisiko; das betrifft auch gynäkologische Entitäten wie Endometrium- und Ovarialkarzinome. Diabetes und Übergewicht gehen laut Studien u.a. mit einem schlechteren Gesamt- und krankheitsspezifischen Überleben bei Endometriumtumoren einher. 

Ein organisiertes Screening für Vulva-, Endometrium- und Ovarialkarzinome gibt es in Deutschland allerdings nicht. 

Adipösen Frauen Vorsorge mit Nachdruck empfehlen

Die Expertin plädierte dafür, Frauen mit Übergewicht bzw. Diabetes die Teilnahme an bestehenden Vorsorgeuntersuchungen mit Nachdruck anzuraten. Außerdem sollten für junge Erwachsene unter 50 Jahren mit übermäßigem Körpergewicht Vorsorgeempfehlungen erarbeitet und validiert werden.

Menschen mit Diabetes haben auch ein erhöhtes Risiko, ein CRC zu entwickeln, konstatierte Prof. Dr. Jürgen F. Riemann­, von der Stiftung LebensBlicke, Ludwigshafen. Das gelte besonders für unter 50-Jährige: Das Risiko entspräche etwa demjenigen von Personen mit einer Darmkrebs-Familienanamnese. 

Liegen in der Familie eines Betroffenen, der 50 Jahre oder jünger ist, zusätzlich Darmkrebsfälle vor, so steigt die Gefahr sogar um das Siebenfache. Patient:innen mit Diabetes und kolorektalem Karzinom weisen zudem ein erhöhtes Mortalitäts- und Rezidivrisiko auf. „Hier muss in Zukunft etwas passieren, und zwar nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv“, so der Experte. Was also tun?

Am Anfang stünde die Primärprävention, doch gerade die wird in Deutschland vernachlässigt. Hier müsse etwas passieren, allein durch primärpräventive Maßnahmen – u.a. ballaststoffreiche Kost, wenig rotes Fleisch/Wurstwaren und regelmäßige körperliche Aktivität – könnte sich die Darmkrebsinzidenz um bis zu 40 % senken lassen. Eine weitere Stellschraube seien Früherkennungsmaßnahmen, denn die Teilnahme ist nach wie vor dürftig. Die Barmer Krankenkasse scheint einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen: Sie bietet per App einen erleichterten Zugang zur Darmkrebsvorsorge. Damit könne z.B. schon ab 40 Jahren ein immunochemischer Stuhltest bestellt werden.

Maßnahmen bereits ab 45 Jahren anbieten

Prof. Riemann forderte, Personen mit Diabetes Typ 2 als Risikogruppe für CRC einzustufen. Zudem müssten Hausärzt:innen und Diabetolog:innen über das Krebsrisiko durch Diabetes aufklären. Früherkennungsmaßnahmen solle man ab 45 Jahren anbieten – in den USA wird dies bereits umgesetzt.

Quelle: Vasiljeva J. Riemann JF. Diabetes-Kongress 2022; Session: Diabetes und Krebsvorsorge

Diabetes-Kongress 2022

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