Gesetzliches Hautkrebsscreening – regional große Unterschiede

Autor: Friederike Klein

In Nordrhein, Sachsen, und Niedersachsen war das Hautkrebsscreening populär, in Nordbayern und Thüringen nicht. In Nordrhein, Sachsen, und Niedersachsen war das Hautkrebsscreening populär, in Nordbayern und Thüringen nicht. © lantapix – stock.adobe.com

Wie viele Menschen zum gesetzlichen Hautkrebsscreenig gehen, variiert abhängig vom Bundesland stark. Welche Regionen am besten abschneiden und wie sich die Wahrnehmung der Untersuchung von Ärzten und Patienten unterscheidet, erklären zwei Forscherinnen.

Jeder zweite „berechtigte“ Patient in Deutschland nimmt das gesetzliche Hautkrebsscreening (gHKS ) in Anspruch. Doch nur 22 % gehen – wie angeboten – alle zwei Jahre zum Arzt. Von den erheblichen regionalen Unterschieden berichtete Dr. Gefion­ Girbig­, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. In der noch laufenden Studie RegioScreen wurde die regionale Häufigkeit im Jahr 2015 anhand der Abrechnungsdaten der EBM-Ziffern 01745 und 01746 ausgewertet. Am meisten nahmen die Untersuchung Menschen aus Sachsen, Niedersachsen und Nordrhein wahr. Personen aus Nordbayern und Thüringen schienen dagegen Vorsorgemuffel zu sein. Die Teilnahme fiel dem Referenten zufolge umso geringer aus, je höher der Anteil an Berufstätigen ohne Hochschulabschluss und je ländlicher der Wohnort war. Derzeit untersucht ein Team um Dr. Girbig­, ob beispielsweise die Integration des gHKS in Bonusprogramme der Krankenkassen den regionalen Verhaltensunterschieden zugrunde liegen könnte.

Von Ahnungslosigkeit bis zu fehlender Zeit

Weiterhin befragte die Arbeitsgruppe in Hamburger Praxen 476 zufällig ausgewählte gesetzlich versicherte Patienten im Alter ab 35  Jahren zum gesetzlichen Hautkrebsscreening. 165 Personen hatten bislang nicht die Untersuchung genutzt. Mit etwa 62 % waren dies meist Männer. So lauteten insgesamt die Gründe: n

  • 51 % gaben an, sie würden sich gesund fühlen.
  • Ein Drittel sagte, gar nicht gewusst zu haben, dass diese Vorsorgeuntersuchung angeboten und von der Krankenkasse bezahlt wird. n
  • Etwa 19 % hatten keine Zeit dafür.

Meist nahmen Frauen das gesetzliche Hautkrebsscreening in Anspruch (ca. 62 %). Insgesamt erklärten von den Teilnehmern etwa 71 %, sie hofften auf den Ausschluss einer Erkrankung bzw. auf eine Abklärung von auffälligen Hautbefunden. Grob 69 % sagten, das gHKS würde ihnen Sicherheit geben.

Die Kluft zwischen Arzt und Patient

Forscher rekrutierten zwischen 2018 und 2019 Patienten und Ärzte aus sechs Hautarztpraxen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, um herauszufinden, wie sich die Wahrnehmung hinsichtlich des gesetzlichen Hautkrebsscreenings unterscheidet. Die Patienten füllten vor und nach der Untersuchung einen Fragebogen aus, die Ärzte nur danach, erklärte Valerie F. Andrees­, ebenfalls vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen. Vor dem Screening war fast die Hälfte der Patienten mindestens ein wenig, einige sogar deutlich aufgeregt. Die Ärzte bemerkten das jedoch nur bei 6,7 % der Untersuchten. 14,1 % der Patienten meinten, der Mediziner hätte sie nicht auf Präventionsmaßnahmen hingewiesen, die zum gHKS gehören. Wie schwierig sich der Informationsfluss zwischen Arzt und Patienten gestaltet, verdeutlicht in dem Fragebogen auch die Abfrage der Verdachtsdiagnosen: An 43 gestellte Diagnosen erinnerten sich die Betroffenen hinterher nicht mehr. Dafür gaben 36 Teilnehmer Diagnosen an, die vom Arzt gar nicht gestellt worden waren. Und in 79 Fällen stimmten die Verdachtsdiagnosen, die Patient und Arzt angaben, nicht überein. Andrees empfahl, Patienten mit möglichen Verständnisproblemen ausführlicher über Diagnosen aufzuklären und bei sprachlichen sowie bei Verständnisproblemen die Untersuchungsergebnisse gegebenenfalls schriftlich mitzugeben.

Quelle: Andrees V et al. 30. Deutscher Haut­kongress Virtuell; Sitzung 23

Ein Großteil der befragten Personen empfand die Untersuchung als (vollkommen) in Ordnung. Bei den wenigen Patienten, die sie als unangenehm ansahen, standen zwei Punkte im Vordergrund: das Entblößen und die Sorge, der Arzt würde etwas Bösartiges finden. Jeweils die Hälfte der Befragten gab an, dass der Arzt sie während des Screenings über schädliche Auswirkungen der Sonne auf die Haut und über Sonnenschutzmaßnahmen informiert hatte. An Solarien als Risikofaktor erinnerten sich jedoch nur 27 % . Und etwa 39 % wussten noch, dass sie darüber aufgeklärt worden waren, ihre Haut zu beobachten. Dr. Girbigs Resümee lautete:
  • Es braucht eine zielgruppenorientierte Ansprache für Männer.
  • Man sollte vor der Untersuchung genau über den Ablauf aufklären.

Quelle: Girbig G. 30. Deutscher Hautkongress Virtuell; Sitzung 17

Popularität des Hautkrebsscreenings im Vergleich Popularität des Hautkrebsscreenings im Vergleich © lantapix – stock.adobe.com