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Hautkrebsscreening Muss man den Patienten mehr zumuten?

Autor: Dr. Elke Ruchalla/Dr. Susanne Gallus

Die Auswertung zeigt, dass der größte Einflussfaktor bei der krebsbedingten Mortalität der Patient selbst ist – entsprechende Edukation vorausgesetzt. Die Auswertung zeigt, dass der größte Einflussfaktor bei der krebsbedingten Mortalität der Patient selbst ist – entsprechende Edukation vorausgesetzt. © iStock/AndreyPopov
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Je früher Hautkrebs diagnostiziert wird, desto besser. Viele befürworten daher ein regelmäßiges Screening. Aber liegt die Verantwortung wirklich beim Arzt?

In Australien ist wegen der hohen Inzidenz das Bewusstsein der Bevölkerung vor allem für Melanome deutlich schärfer und Selbstchecks sowie freiwillige Hautuntersuchungen verbreitet. Ein Screening wie in Deutschland gibt es nicht. Wie sich die Routinechecks auf die melanomspezifische Sterblichkeit auswirken, untersuchten Dr. Caroline Watts vom Daffodil Centre der University of Sydney und Kollegen.

Sie werteten die Angaben von fast 2.500 Patienten mit der Diagnose Melanom aus, darunter 291 In-situ- und 2.161 invasive Karzinome. Nur in etwa einem Drittel der Fälle wurde der Hautkrebs im Routinecheck gefunden, bei 12 % fiel er im Rahmen einer anderen Hautuntersuchung auf. Fast die Hälfte der Patienten hatte allerdings selbst Verdacht geschöpft.

Innerhalb der folgenden zwölf Jahre zeigte sich im Vergleich zum Selbstcheck zunächst eine mehr als halbierte Melanomsterblichkeit und eine 36 % niedrigere Gesamtsterblichkeit in der Gruppe, deren Krebs im Rahmen des Hautchecks diagnostiziert worden war. Berücksichtigte man neben Alter und Geschlecht als Störfaktoren auch Charakteristika des Melanoms selbst, wie Ulzerationen und Mitoserate, sank der Vorteil bezüglich der krebsspezifischen Sterblichkeit unter die Signifikanzgrenze.

Was signifikant blieb, war eine um ein Viertel geringere Gesamtmortalität bei den regelmäßig Untersuchten. Möglicherweise u.a. deshalb, weil diese Menschen insgesamt ein gesundheitsbewussteres Verhalten an den Tag legten oder auch besser an die medizinische Infrastruktur angebunden waren, vermuten die Autoren.

Der größte Einflussfaktor ist der Patient selbst

Gleichzeitig wurde in der Auswertung deutlich, dass dünne invasive Melanome sowie Melanoma in situ oder Lentigo maligna häufiger bei den Hautchecks diagnostiziert wurden. Insgesamt hatten die von den Ärzten gefundenen Melanome häufiger eine niedrigere Mitoserate und eine gute Prognose. Zudem war der Arzt bei Läsionen am Rücken im Vorteil. Den Patienten selbst fielen v.a. die mit einer hohen Mortalität verbundenen, dicken und nodulären Melanome auf, was den abgeschwächten Unterschied hinsichtlich der krebsspezifischen Mortalität erklärt, so die Autoren. Was es allerdings brauche, sei eine groß angelegte, randomisierte Studie.

Obwohl Dr. Allan Halpern und Dr. Michael Marchetti vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York diese Meinung teilen, halten sie eine Studie aufgrund des Umfangs für utopisch. Allerdings zeige die Auswertung, dass der größte Einflussfaktor bei der krebsbedingten Mortalität der Patient selbst ist – entsprechende Edukation vorausgesetzt. Solange das Wissen fehle, um zwischen indolenten und progredienten Melanomen zu unterscheiden, bestehe die Schwierigkeit folglich darin, den Spagat zu schaffen zwischen nötigen Routinechecks und dem Vermeiden von Übertherapien. Sie schlagen bezogen auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis ein risikoadaptiertes Screening für jene vor, bei denen die Krebsmortalität generell am höchsten ist.

Quellen:
1. Watts CG et al. JAMA Dermatol 2021; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.3884
2. Halpern AC, Marchetti MA. JAMA Dermatol 2021; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.3883

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