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Sonnenbaden ohne Hautkrebs – richtig vor UV-Strahlung schützen

Autor: Dr. Susanne Gallus

Das Vermeiden der UV-Exposition ist eine Maßnahme, an die viele Menschen beim Thema Sonnenschutz gar nicht erst denken. Das Vermeiden der UV-Exposition ist eine Maßnahme, an die viele Menschen beim Thema Sonnenschutz gar nicht erst denken. © iStock/bymuratdeniz
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Wenn die Sonne wieder häufiger hinter den Wolken hervorkommt, treibt das nicht nur die Temperaturen nach oben, sondern auch das Hautkrebsrisiko. Wie man sich effektiv vor UV-Strahlung schützt, ist bei Weitem nicht allen Patienten und Kollegen klar.

Obwohl ein Basiswissen über die Hautkrebsgefahr in der Bevölkerung vorhanden ist, schätzen viele Menschen ihre persönliche Gefährdung als niedrig ein. In einer Befragung gaben viele Teilnehmer an, gebräunte Haut als attraktiv anzusehen und das Gefühl von Sonne auf der Haut als angenehm zu bewerten. Das Wissen bezüglich Hautkrebsprävention ist bei Jugendlichen und Männern geringer ausgeprägt als bei Frauen.

Sonnenschutz heißt auch: nicht zu lange in die Sonne

Primärer Ansatzpunkt der Prävention ist es, Risikofaktoren, so gut es geht, zu minimieren. Als besonders wichtig stuft das Autorengremium der neuen S3-Leitlinie* Präventivmaßnahmen bei (Klein-)Kindern und Jugendlichen sowie bei Personen ein, die

  • sich häufig und lange in der Sonne aufhalten,
  • zu Sonnenbrand neigen,
  • helle Haut, helle oder rote Haare, viele Lentigines und/oder Nävi haben oder
  • andere Risikofaktoren aufweisen

Risikofaktoren für Hautkrebs

  • Hauttyp (MM, NMSC)
  • großer kongenitaler Nävus (Gefahr der Entartung, MM)
  • Melanom in der Familienanamnese (MM)
  • Melanom bzw. NMSC in der Vorgeschichte (MM, NMSC)
  • aktinische Keratose (NMSC)
  • Immunsuppression (NMSC)
  • Röntgenkombinationsschäden (NMSC)
  • Anzahl erworbener Nävi sowie klinisch atypische Nävi
  • UV-Dosis, kumulativ (Plattenepithelkarzinom, MM) bzw. intermittierende Exposition (Basalzellkarzinom, MM)
  • Exposition mit Arsen oder Teer (NMSC)
  • HPV-Infektion (Plattenepithelkarzinom) auch in Verbindung mit UV

MM: malignes Melanom, NMSC: nicht-melanozytärer Hautkrebs

Eine der wichtigsten Stellschrauben bei der Hautkrebsprävention ist die UV-Exposition. So empfiehlt es sich z.B., bei einem UV-Index von 3–7 die Mittagssonne zu meiden und sich eher im Schatten aufzuhalten. Bei höherer Belastung (UV-Index 8+) sollte man auf Aufenthalte im Freien mittags generell verzichten, auch Wolken bieten keinen ausreichenden UV-Schutz. Das Vermeiden der UV-Exposition ist eine Maßnahme, an die viele Menschen beim Thema „Sonnenschutz“ gar nicht erst denken. Standardmäßig werden in Umfragen eher das Bedecken der Haut mit Kleidung oder das Auftragen von Sonnenschutzmittel genannt. Gerade die stehen derzeit aber groß in der Diskussion. In der Leitlinie werden entsprechende Präparate nur empfohlen, wenn die betreffenden Hautstellen nicht anders geschützt werden können, sowie für Personen, die auf einen besonders konsequenten Schutz achten müssen (z.B. Transplantierte, Immunsupprimierte). Denn neben den Bedenken hinsichtlich der Verträglichkeit verschiedener Inhaltsstoffe sowohl für den Menschen als auch die Umwelt (z.B. Octabenzon) führen Sonnenschutzmittel zu einem weiteren Problem: Insbesondere jüngere Menschen lassen sich durch das Cremen dazu verleiten, die UV-Exposition großzügig zu verlängern, warnte Professor Dr. Jörg­ Reichrath­ von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Saarlandes auf der diesjährigen 51. DDG-Tagung**. Daher bleibe es weiterhin unklar, ob der Gebrauch von Sonnenschutzmittel das Melanomrisiko wirklich senkt. Die Cremes sind eben kein Ersatz für richtiges Verhalten, betonte sein Kollege Professor Dr. Thomas­ Schwarz­ von der Universitäts-Hautklinik Kiel. Anwendungsfehlern sollte viel mehr Beachtung geschenkt werden, führte Prof. Schwarz weiter aus. „Das Entscheidende ist meist gar nicht, wie hoch die Schutzfaktoren sind.“ Vielmehr gehe es darum, dass die Präparate in ausreichender Menge aufgetragen werden. „Meines Erachtens werden da die meisten Fehler begangen.“

Die Krux mit dem Nachcremen

Nachcremen ist nie schlecht. Allerdings ist es kein Ersatz für das initiale Auftragen der ausreichenden Menge an Sonnenschutzmittel, betonte Prof. Schwarz. Das größte Problem ist, dass Nachcremen die Leute dazu verleitet, am Anfang zu dünn aufzutragen. Bei einer unzureichenden Menge an Sonnencreme besteht (unabhängig vomgewählten Lichtschutzfaktor) für die Haut kein ausreichender Schutz. Daran, dass sich die Leute zu diesem Zeitpunkt so gut wie ungeschützt der UV-Strahlung aussetzen, ändert ein späteres erneutes Auftragen folglich nichts, so Prof. Schwarz.

Aber wie veranschaulicht man die in der Leitlinie empfohlenen 2 mg/cm²? Gerne wird hier die „nussgroße Menge“ als Vergleichsäquivalent hinzugezogen. Doch welche Nuss gemeint ist, bleibe nicht selten ungeklärt. „Erdnuss, Haselnuss, Kokosnuss?“ – In dieser Hinsicht wünscht sich Prof. Schwarz eindeutig mehr Initiative von der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie. Einen klaren Vorteil hätten seiner Ansicht nach Dosierspender, da über die Anzahl an Hüben eine objektive Angabe zur Dosierung möglich sei. Auch im Hinblick auf die Texturen bestehe Verbesserungspotenzial: „Wir brauchen keine höheren Sonnenschutzfaktoren, sondern angenehmere Darreichungsformen.“ Man trägt nur freiwillig etwas ausreichend dick auf, wenn es kosmetisch angenehm ist. Die diesbezüglichen Bedürfnisse sind individuell verschieden und sollten bei der Beratung berücksichtigt werden, betonte Prof. Schwarz.

Krebs von der Bank

Maligne Melanome und Basalzellkarzinome treten bei Solarienbesuchern im Vergleich zu Nichtnutzern häufiger auf. Zusätzlich steigt das Risiko mit der Zahl der Besuche und ist höher, je jünger die Person beim ersten Mal auf der Sonnenbank war. Von der Nutzung wird daher in der Leitlinie abgeraten.

Textiler Sonnenschutz durch adäquate Kleidung – dazu gehören laut Leitlinie auch Kopfbedeckung und Sonnenbrille – ist im Vergleich dazu wesentlich einfacher umzusetzen, darin sind sich alle Experten einig. Dies gelte vor allem bei Kindern, die sich ohnehin nicht so gerne eincremen, betonte Prof. Schwarz.

Konsequenter UV-Schutz vs. Vitamin-D-Synthese

Als „Kehrseite der Medaille“ senkt ein konsequenter UV-Schutz die kutane Vitamin-D-Synthese. Das ist relevant, denn Studien haben gezeigt, dass hohe Serumspiegel nicht nur für die Knochengesundheit ­enorm wichtig sind, sondern möglicherweise auch vor Krebs schützen könnten. In der Präventionsleitlinie heißt es dazu: „Für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese genügt es, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche der Hälfte der minimalen sonnenbrandwirksamen UV-Dosis (0,5 MED) auszusetzen“. Für einen gesunden Erwachsenen mit Hauttyp II reichen also z.B. bei UV-Index 7 zwei- bis dreimal pro Woche etwa 12 min in der Sonne aus. „Ein Vitamin-D-Mangel ist sicherlich schlecht“, bestätigte Prof. Schwarz. Einen Mangel dürfe man aber keinesfalls als etwas sehen, was eine erhöhte UV-Exposition rechtfertige. Wer feststellt, dass bei einem Patienten die Vitamin-D-Spiegel zu niedrig liegen, kann heutzutage sehr einfach substituieren, betonte er. 

* S3-Leitlinie „Prävention von Hautkrebs“, AWMF-Reg.-Nr.: 032/052OL
** 51. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

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