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Erhöhtes Krebsrisiko bei Typ-2-Diabetes?

Autor: Ulrike Viegener

Frauen mit Typ-2-Diabetes haben ein um Faktor 1,63 erhöhtes Risiko, ein Endometriumkarzinom zu entwickeln. Frauen mit Typ-2-Diabetes haben ein um Faktor 1,63 erhöhtes Risiko, ein Endometriumkarzinom zu entwickeln. © Science Photo Library/Gschmeissner, Steve
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Kohortenstudien taugen zwar nur bedingt dazu, Kausalzusammenhänge zwischen dem Auftreten zweiter Erkrankungen herzustellen. Doch nach gründlicher statistischer Bereinigung einer Datenbasis mit mehr als 32 Millionen Teilnehmern zeigt eine aktuelle Metaanalyse nun, dass tat­sächlich der Diabetes dafür verantwortlich sein kann, wenn Menschen vermehrt an Leber-, Pankreas- und Endometrium­karzinom erkranken.

Verschiedene Studien haben in der Vergangenheit ein erhöhtes Krebsrisiko bei Menschen mit Typ-2-Diabetes herausgestellt. Sowohl Inzidenz als auch Mortalität scheinen bei manchen Krebserkrankungen höher zu liegen als bei Personen ohne Diabetes. Unklar ist allerdings, ob tatsächlich ein Kausalzusammenhang besteht. Denkbar wäre auch, dass gemeinsame Risikofaktoren – allen voran die Adipositas  – die Häufung bestimmter Entitäten erklären.

Die Arbeitsgruppe um Suping Ling von der Leicester University, Großbritannien, hat sich deshalb 144 Publikationen (Langzeiteinzelstudien und Metaanalysen) an 151 Kohorten mit mehr als 32 Millionen Teilnehmern angesehen, in deren Verlauf insgesamt 1,1 Millionen Krebserkrankungen sowie 150 000 krebsbedingte Todesfälle auftraten. Mithilfe verschiedener statistischer Berechnungsmethoden wollten die Forscher herausfinden, welche Rolle begleitende, aber unbeobachtete Störgrößen (Kovariaten) spielen und wie belastbar die statistischen Zusammenhänge zwischen Dia­betes und Krebs sind.

Die bereinigten Daten sprechen nach Einschätzung der Autoren für einen robusten Kausalzusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und einem erhöhten Krebsrisiko. Dies betrifft in erster Linie Leber-, Pankreas- und Endometriumkarzinome.

Geringere Wahrscheinlichkeit für Prostatakarzinome

So ist das Risiko für ein Endometriumkarzinom den Daten zufolge bei Menschen mit Typ-2-Diabetes um den Faktor 1,63 erhöht. Beim Pan­kreaskarzinom liegt der entsprechende Wert bei 2,09. Der höchste Inzidenzanstieg wurde mit einem um Faktor 2,33 erhöhten Risiko für Leberkrebs ausgemacht. Bei Gallenblasenkrebs bewerten die Autoren einen Kausalzusammenhang zwischen erhöhtem Erkrankungsrisiko und Typ-2-Diabetes als immerhin wahrscheinlich.

Auch mit Blick auf andere Krebsarten – Nieren-, Schilddrüsen- und kolorektale Karzinome – sprechen die Daten für einen diabetesbedingten Risikoanstieg, die Assoziation war aber statistisch weniger robust. Beim Prostatakarzinom haben Personen mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Stoffwechselgesunden hingegen ein um 17 % niedrigeres Krebsrisiko.

Warum der Typ-2-Diabetes das Risiko für manche Krebsarten ansteigen lässt, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Laut den Autoren der Metaanalyse kommen neben der Hyperglykämie auch Hyperinsulin­ämie, Insulinresistenz und chronische Inflammation als Pathomechanismen infrage.

Quelle: Ling S et al. Diabetes Care 2020; 43: 2313-2322; DOI: 10.2337/dc20-0204

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